Monat eins im Leben zu fünft

Oder: Wir starten in ein neues Leben


Von der Darstellung der Geburt in allen Einzelheiten werde ich euch verschonen und mich auf die Kurzform beschränken: Die erste Wehe kam kurz vor 4 Uhr früh, gegen 6 Uhr sind D. und ich im Krankenhaus gewesen, bis 9 Uhr haben wir im Kreißsaal gedöst und den verpassten Nachtschlaf aufgeholt, meine Wenigkeit mit unregelmäßigen und gut zu ertragenden Wehen. Ab etwa 10 Uhr wurde es unangenehm, das ist auch der Punkt, an dem auch meine Erinnerungen verblassen. Geschafft war das Ganze dann 11.55 Uhr, als Phil mit 54 Zentimetern Körperlänge, 3.910 Gramm Gewicht und beachtlichen 38 Zentimetern Kopfumfang die Welt erblickte. Nach der U1, die einige Zeit später im Krankenhaus durchgeführt wurde, durften wir planmäßig nach Hause.

Abends brachte Oma uns Nele und Lena vorbei. Die beiden hatten ja beim morgendlichen Frühstück mitbekommen, dass der große Augenblick nun da war und sie im Laufe des Tages endlich ihr Brüderchen bekommen würden. Entsprechend aufgeregt waren sie auch bei der ersten Begegnung. Von Eifersucht keine Spur – die beiden hätten ihn am liebsten sofort aus dem Stubenwagen geholt und in Grund und Boden geknuddelt.

Die ersten Wochen haben wir damit verbracht, uns alle aneinander zu gewöhnen und das Familiengefüge neu zu ordnen. D. war eine Woche lang Zuhause, insbesondere als Unterstützung für mich. Denn so schön eine ambulante Geburt auch ist, sie hat den gravierenden Nachteil, dass Mama Zuhause alles sieht. Wenn es ihr dann halbwegs gut geht und sie (so wie ich) prinzipiell Probleme damit hat, untätig herumzuliegen, wird es ganz schön schwierig, sich selbst zu zwingen, in der Horizontale zu bleiben, die Arbeit anderen zu überlassen und gewisse, sagen wir, Unstimmigkeiten im Haushalt auch einfach zu übersehen.

Wenn ich Phil so mit seinen beiden Schwestern in dem Alter vergleiche, würde ich sagen, dass er hinsichtlich des Pflegeaufwandes eine Mischung aus beiden ist: Er ist deutlich pflegeleichter als Nele, die in ihren ersten Lebensmonaten mit Koliken zu kämpfen hatte und gefühlte 24 Stunden am Tag geweint hat. Er ist aber auch anspruchsvoller als Lena, die ihre ersten Lebenswochen eigentlich nur mit Trinken und Schlafen verbracht hat: Geschlafen wird am liebsten auf Mamas Arm, vorzugsweise mit dem Mund direkt vor der Nahrungsquelle. Stubenwagen, eigenes Bettchen, Kinderwagen – alles nur Notlösungen, in denen er ohne äußere physikalische Intervention wie Nucki-zurück-in-den-Mund-stecken oder Hin-und-her-Schieben selten länger als zehn Minuten am Stück schlafend durchhält.

Natürlich sind viele Dinge beim dritten Kind auch mit einer gewissen Routine und Selbstverständlichkeit verbunden. Wenn die Mädchen tagsüber im Kindergarten sind und ich mit Phil allein zu Hause bin, habe ich in aller Regel ausreichend Zeit, um all das zu erledigen, was so anfällt im Haushalt. Bis vor wenigen Tagen hätte ich daher die Frage, ob der Alltag mit drei Kindern sehr anstrengend ist, mit einem Achselzucken und einem lapidaren „Geht eigentlich noch“ beantwortet. Nun sind leider seit dem Wochenende meine beiden Mädels krank. Sie husten und schniefen um die Wette – nichts Ernstes, aber genug, um sie nicht in den Kindergarten schicken zu können und in jedem Fall genug, um permanent um die Gesundheit von Phil zu fürchten, der mit seinen vier Wochen ja noch sehr unterausgeprägte Abwehrkräfte hat. Das heißt also, dass ich seit gestern allein mit drei Kindern Zuhause bin, und das ist organisatorisch grenzwertig. Es ist schon schwierig, selbst zum Frühstücken zu kommen, wenn ein Kind weint und nach seiner Stillmahlzeit verlangt, eines jammert, weil ich versehentlich Milch statt den gewünschten Joghurt (Anm.: Bei uns gibt es prinzipiell nur Getreidemilch und Soja-Joghurt; der Einfachheit halber werde ich diese Produkte trotzdem weiterhin als Milch und Joghurt bezeichnen) ins Müsli gekippt habe und das dritte in aller Seelenruhe Haferflocken in den Apfelsaft schaufelt. Sind dann diese Bedürfnisse gestillt, geht es ans Eintakten der Folgehandlungen: Anziehsachen in der korrekten Reihenfolge am Kind anbringen, Windeln wechseln, Zähne putzen… und zwischendurch immer mal wieder Nasen wischen, Hustensaft verabreichen und so weiter. Und wenn dann noch Termine hinzukommen, also festgelegte Zeiten, in denen das Haus verlassen werden muss, weil Mama etwa zur Rückbildungsgymnastik gehen muss, dann sind Nervosität, Hektik und Streit vorprogrammiert. Ich frage mich sowieso, wann es endlich soweit ist, dass Sätze wie „Zieht euch bitte schnell die Jacken an, wir haben es eilig“ auf geneigtere Ohren stoßen und nicht mehr ungehört im Raum verhallen…

Ich sehne also die nächste Woche herbei, wenn die Alltagsroutine einkehrt und ich für die familiäre Organisation tagsüber statt winzigen Zeitpunkten wieder längere Zeitfenster zur Verfügung habe. In jedem Fall erfüllt es mich schon jetzt mit unglaublicher Liebe und auch ein bisschen Stolz, Mutti von drei Kindern zu sein.

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