Monat zwei im Leben zu fünft

Oder: Familiäre Wohlfühlzeit


In irgendeinem Ratgeber habe ich mal gelesen, dass bei einer Schwangerschaft nach dem ersten Trimester, in dem der mütterliche Körper alle möglichen Umstellungen bewältigen muss, das zweite als Wohlfühl-Trimester bezeichnet wird. So ähnlich ist es jetzt: In Phils zweitem Lebensmonat beginnt eine richtige Wohlfühlzeit für uns als Familie. Tagsüber schläft Phil viel, trinkt fleißig und macht anschließend ein solides Bäuerchen. Abends gibt es gegen 22 Uhr die letzte Stillmahlzeit, und dann schläft er mit nur einer Unterbrechung bis früh um 5 oder 6 Uhr – zu dieser Zeit sind wir wegen der Mädchen aber sowieso meist schon wach.

Wie schon die ersten beiden Male liebe ich es, zu stillen. Sanft im Sessel schaukeln, das Baby auf dem einen Arm, ein Buch in der anderen Hand – es gibt kaum etwas Schöneres für mich. Oft sitze ich auch einfach nur da und betrachte meinen Sohn, wie er mit einem unendlich süßen Grunzen die Brust sucht, ein erleichtertes Seufzen ausstößt, wenn er sie gefunden hat, und dann andächtig trinkt, während sich die kleinen Händchen an mich klammern. In letzter Zeit hält immer öfter Phil beim Trinken inne, lächelt mich erst zögerlich an und dann richtig verschmitzt. Das ist besonders schön, weil er ansonsten recht ernst ist und bis jetzt eher sparsam mit diesen Beweisen seiner Zufriedenheit. Und zufrieden muss er sein, zumindest spricht die Waage dafür: Mit 5 Wochen wiegt Phil bereits 5 Kilogramm. Weil ich Zahlen und Statistiken nun mal liebe, habe ich die gelben Hefte der Mädchen hervorgekramt und lese: Nele war zur U4, also im Alter von etwa 10 Wochen, gerade mal 4,7 Kilogramm schwer, Lena 4,8 Kilogramm.

Ich habe begonnen, die Mädchen bei gutem Wetter nachmittags zu Fuß aus dem Kindergarten zu holen. Insgesamt sind das ziemlich genau 5,2 Kilometer (jaja, da haben wir sie wieder, meine Zahlen und Statistiken), wie ich dank des vorsorglich von D. installierten Kilometerzählers weiß. Während Phil die Strecke anstandslos im Tragetuch verschläft, sitzen Nele und Lena nebeneinander wie auf Kohlen. In festen Intervallen bekommen sie ein Gummibärchen aus ihrer kleinen Tüte – das Bestechungsmittel der Wahl, um die Anzahl ihrer Unmutsbekundungen möglichst gering zu halten („Mama, Lena fasst mir ins Gesicht!“, „Nele ärgert mich!“, „Ich hab keinen Plaaaaaaaaatz!“, „Mama, wann können wir aussteigen?“, „Mama, das dauert mir zu lange!“). Auch wenn ich es als notorischer Stubenhocker nicht gern zugebe: Die Bewegung an der frischen Luft tut mir gut und ist eine angenehme Abwechslung zu der körperlichen Auslastung im Innenraum, die vornehmlich daraus besteht, zwischen den Zimmern umherzuwandern, die diversen Treppen zu besteigen und beim Abwasch den Stubenwagen mit einem Bein hin- und herzuschieben… Die mehr als 1.500 Kilometer, die wir in Neles erstem Lebensjahr mit dem Kinderwagen zurückgelegt haben, werden wir diesmal allerdings wohl nicht schaffen – ein Tribut an die stetige Verringerung der zur Verfügung stehenden Zeit bei gleichzeitig erheblich größerer zu transportierender Gesamt-Kindermasse 😉

Die beste Nachricht im Oktober schließlich bringt unser Besuch in der Kinderkardiologie: Es gibt Entwarnung für das Herzgeräusch, das nach der Geburt im Krankenhaus bei Phil festgestellt und vom Kinderarzt später bestätigt wurde. Es resultiert aus einem winzigen Loch in der Herzkammer, das laut der Ärztin in etwa so relevant für Babys Wohlbefinden sei wie die Frage, „ob es blaue oder braune Augen“ habe und das mit hoher Wahrscheinlichkeit noch zuwachsen wird. Zwar können sich derartiger Befunde bei so kleinen Kindern rasch ändern, und wir bekommen einen weiteren Termin in drei Monaten zur Kontrolle. Aber alles in allem können wir aufatmen. Das Sprechzimmer der Kardiologin befindet sich übrigens neben der Neugeborenen-Intensivstation im Klinikum. Während wir warteten, habe ich so viele winzige Bündel gesehen, die durch die Gänge geschoben wurden, und die so zerbrechlich und verloren in ihren Wärmebettchen aussahen. Einmal mehr wird mir bewusst, was für ein Glück es ist, gesunde Kinder zu haben, und ich bin unendlich dankbar dafür.

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