Monat drei im Leben zu fünft

Oder: Schlaf? Wer braucht denn sowas?!


Phil entwickelt sich rasend. Er legt weiter an Gewicht zu und wächst entsprechend schnell – das Köpfchen scheinbar schneller als der Rest, so dass er nach wie vor etwas unproportioniert aussieht. Auf niedliche Baby-Art unproportioniert, versteht sich. Jedenfalls ist bald die erste große Kiste mit aussortierten Anziehsachen voll. Ein wenig wehmütig bin ich schon angesichts der vielen süßen Babysachen, die ich nun niemandem mehr anziehen kann…

Unser Sohn beginnt, sich zu artikulieren, zunächst in einzelnen Silben, die einfach immer wieder wiederholt werden. So hört man aus den Tiefen des Stubenwagens zum Beispiel ein unermüdliches: „Ehhh. Ehhh. Ehhh. Ehhh. Ehhh…“ . Das geht so lange, wie sich der Urheber unbeobachtet fühlt. Entdeckt er Mamas Gesicht irgendwo am Rande seines Blickfelds, werden wohl alle geistigen Kapazitäten benötigt, um es eingehend zu betrachten, und das Brabbeln verstummt vorerst.

Phil scheint ein sonniges Gemüt zu entwickeln. War er bisher ziemlich ernst, schaut er nun immer häufiger zufrieden lächelnd in die Welt. „So ein freundlicher kleiner Kerl!“, bekommen wir inzwischen oft zu hören.

Die Händchen sind seine besten – ersten – Spielkameraden: Phil schaut sie an, bewegt sie hin und her, stopft sie in den Mund und saugt genüsslich daran. Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt: Der Speichelproduktion. Phil sabbert unheimlich viel. Auch hier wieder habe ich nur den Vergleich zu seinen Schwestern: Nele hatte im Babyalter eine moderate, Lena eine leicht erhöhte Speichelproduktion. Die Mengen aber, die Phil hervorbringt, sind rekordverdächtig. Ob Spucken oder Sabbern: Drei völlig durchweichte Halstücher am Tag sind keine Seltenheit. Ich musste bereits mehrere Exemplare nachkaufen, um die Zeit bis zur nächsten Wäsche überbrücken zu können – und unsere Waschmaschine läuft ja nun nicht gerade selten. So folgt dem oben erwähnten Kommentar über sein freundliches Wesen in den meisten Fällen unverzüglich ein weit weniger verzückter Ausruf: „Oh… Nass!“

Der neuralgische Punkt in unserem Familienleben ist zurzeit – surprise, surprise – der Nachtschlaf. Nachdem Phil zeitweise 5 bis 6 Stunden am Stück geschlafen hat, wacht er nun wieder aller zwei Stunden auf – mit entsprechenden Auswirkungen auf den elterlichen Erholungseffekt.

Dazu gibt es eine Vorgeschichte. Die Mädchen hatten (von ihren ersten Säuglingsmonaten mal abgesehen) nie große Probleme mit dem Schlafen. Beide schliefen sehr zeitig gut und lange. Bis vor etwa einem dreiviertel Jahr war von 7 Uhr abends bis 6 Uhr früh Ruhe im Kinderschlafzimmer. Dann kam bei Lena die plötzliche Kehrtwende: Von einem Tag auf den anderen war es mit dem Nachtschlaf vorbei. Sie wachte weinend auf, oft drei- oder viermal pro Nacht. Manchmal schlief sie schnell wieder ein, manchmal war sie kaum zu beruhigen. Manchmal blieb sie im eigenen Bett, manchmal mussten wir sie mit zu uns nehmen. Manchmal funktionierte das, meistens wälzte sie sich aber auch dort nur hin und her, so dass am Ende keiner von uns zum Schlafen kam. Lange haben wir nach Gründen und Lösungen für das Problem gesucht. Wir haben das Internet nach Hinweisen durchforstet. Wir haben die Betten verrückt, wieder umgestellt und schließlich an ihren alten Platz zurückgestellt, wir haben ein Nachtlicht eingeführt und durch ein anderes Modell ersetzt, wir haben Anreize geschaffen und Strafen in Aussicht gestellt, haben Zubettgeh-Zeiten variiert und Einschlaf-Rituale ausprobiert. Alles ohne Erfolg.

So geht das nun seit Monaten. Obwohl man sich erstaunlich gut auch daran gewöhnt, zehrt der Schlafmangel als Dauerzustand doch ganz schön an unseren Kräften. Vor allem, da die Qualität der Nachtruhe mit Phil ja inzwischen noch von einem dritten Kind wesentlich mitbestimmt wird. Und da dieses nun auch wieder schlecht schläft, und die Kinder natürlich nie gleichzeitig, sondern meist geordnet nacheinander wach sind, ist das elterliche Nervenkostüm zurzeit extrem angegriffen.

Es hilft ja aber alles nichts, da müssen wir durch. Also atmen wir tief ein und mobilisieren unsere letzten Kraftreserven, die sich doch immer wieder irgendwo auftun. Und im Geist wiederholen wir stumm das Eltern-Mantra: Es ist alles nur eine Phase. Es ist alles nur eine Phase. Es ist alles nur eine Phase…

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