Monat fünf im Leben zu fünft

Oder: Selber schuld, ich wollte doch ein Mama-Kind haben…


Auch diesen Monat beginnen wir mit der intrafamiliären Verteilung von Krankheitserregern. Der Reihenfolge nach erwischt es Lena, dann Nele und dann Phil mit einer leichten Bindehautentzündung. Am Schluss folgt Mama. Bei mir beschränken sich die Augen leider nicht wie bei den Kindern darauf, zu tränen, sondern durchlaufen das volle Programm: Sie sind verklebt, geschwollen, feuerrot und lassen sich  kaum öffnen. Ein paar Tage lang biete ich einen höchst gruseligen Anblick. Interessanterweise hatten wir dasselbe Spiel bereits letztes Jahr um etwa die gleiche Zeit; auch damals blieb Papa als einziger verschont. Vielleicht ist das so eine saisonale Geschichte? Wir warten mal 2017 ab.

Ansonsten läuft der fünfte Monat ziemlich entspannt. Phil kann sich mittlerweile problemlos eine halbe Stunde lang selbst beschäftigen – vorausgesetzt, er ist satt und einigermaßen wach. Dann liegt er im Laufgitter, betrachtet oder befühlt ausgiebig seine Händchen, wackelt mit den verschieden Gliedmaßen oder greift, bekaut und besabbert das jeweilige Baby-Spielzeug, das Eltern oder Schwestern aus dem reichlich vorhandenen Fundus ausgewählt und strategisch im Laufgitter positioniert haben.

Phil hat sich darüber hinaus die etwas irritierende Angewohnheit zugelegt, plötzliche Atemnot vorzutäuschen. Gelernt hat er das, als er eines Tages wohl zufällig ein bisschen zu tief einatmete – sich das Ganze aber wie ein Erstickungsanfall angehört hat. Ich bin natürlich furchtbar erschrocken. Mein entsetzter Gesichtsausdruck schien Phil große Freude zu bereiten, und derartig ermutigt, wurde der Auslöser desselben flugs wiederholt. (Es hat etwas gedauert, bis ich gemerkt habe, dass Absicht dahinter steckt. Seitdem simuliert unser Sohn jedenfalls regelmäßig fröhlich und lautstark.)

Gegen Ende des 5. Monats vollführt Phil schließlich  seine erste eigene Drehung vom Rücken auf den Bauch. Ich lasse ein friedlich und einigermaßen ruhig auf dem Rücken liegendes Kind im Laufgitter zurück, um Wäsche aufzuhängen, und komme zehn Minuten später zu einem quiekenden, auf dem Bauch befindlichen und mit Armen und Beinen in wilden Krabbelversuchen verstrickten Kind zurück. Ich werte den 144. Lebenstag also als gültig, womit Phil im geschwisterlichen Wettbewerb 5 Tage vor Lena liegt, das Motorik-Klischee also bis jetzt nach Kräften unterstützt. Andererseits: So verwunderlich ist das auch nicht, genug Kraft sollte ja vorhanden sein. Phil hat ständig Hunger, trinkt offensichtlich große Mengen und wächst dementsprechend schnell. Die Größe 68 wird langsam zu klein, die 7 Kilogramm-Marke hat er schon vor Wochen geknackt. Lena hatte ich bis kurz vor ihrem ersten Geburtstag noch regelmäßig im Tragetuch, bei Phil wird diese Art der Beförderung bereits jetzt zur Belastungsprobe für den Rücken.

Tja, und dann ist da noch die Sache mit Mama-Kind-Papa-Kind. Was habe ich mich beschwert, dass meine Mädchen immer ihren Papa bevorzugt haben, sobald sie die Wahl zwischen uns beiden hatten. Was war ich eifersüchtig, wenn nur Papa in der Lage war, sie zu beruhigen, wenn sie traurig oder aufgeregt waren. Wie hing mir der Satzanfang „Neiiin! Der Papa soll …“ zum Hals raus. Und nun habe ich, was ich wollte: Ein waschechtes Mama-Kind. Oft reicht schon der Anblick meines Gesichts, um Phil ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern – D. muss sich dafür mit Grimassen und Geräuschen schon deutlich mehr ins Zeug legen. In meinen Armen oder auf meinen Schoß verhält sich Phil lange ruhig – bei D. versucht er nach kurzer Zeit, sich frei zu strampeln. Wenn Phil traurig ist, bin ich in kürzester Zeit in der Lage, ihn zu beruhigen – D.  braucht in der Regel etwas länger dafür. Für viele Mütter ist das vermutlich ein ziemlich alltägliches und daher nicht weiter erwähnenswertes kindliches Verhalten, für mich aber ein Novum, das mich jedes Mal aufs Neue entzückt. Wenn Phil abends beim Einschlafen das Nucki aus dem Mund fällt, er davon wieder wach wird und im Dunklen danach jammert, bin folgerichtig auch ich diejenige, die ständig hoch ins Schlafzimmer eilt, um diesen Missstand zu beheben. Eines Abends versuchte D., die Wiederbeschaffung des Nuckis zu übernehmen. Es blieb bei diesem einen Mal: Phils Reaktion bestand aus der (in dieser Situation einigermaßen kontraproduktiven) Rückkehr in den kompletten Wach-Zustand, sowie der Steigerung des Jammerns zu einem anhaltenden und Nerv tötenden Brüllen. Dieses trieb D. nach einer Weile frustriert aus dem Zimmer und konnte auch von mir nur unter Aufbietung des gesamten Repertoires tröstender Methoden wieder beendet werden. Seitdem bleiben wir bei dem bewährten Modell: Mama kümmert sich um den Einschlafprozess ihres Sohnes. Und das bedeutet eben je nach dessen Tagesform zwanzig Runden Treppe-hoch-Treppe-runter extra für mich. Selber schuld 😉

Sicher kann man argumentieren, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt als rund um die Uhr verfügbarer Allein-Lieferant der Nahrung alle Vorteile auf meiner Seite habe. Allerdings hat Nele schon weit vor dem Abstillen eine Vorliebe für ihren Papa entwickelt; bei Lena kam der Umschwung mit Beginn seiner Elternzeit. Nun ja: Bald steht der erste Brei auf dem Plan. Ich bin gespannt, ob Phil seine Zuneigung dann anders verteilt – bis dahin genieße ich es, die Nummer eins zu sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s