Außenseiter-Mama

Manchmal fühle ich mich ein bisschen wie eine Außenseiter-Mama. Warum?
Ganz einfach: Ich bin der Meinung, dass der Beruf als Mama nicht die tollste, begehrenswerteste und an sich völlig ausreichende Aufgabe für das Leben einer Frau ist. Allein dies offen zuzugeben, ruft im Gespräch mit anderen Müttern häufig Stirnrunzeln hervor. Aber es kommt noch schlimmer: Ich liebe meinen Job. Den richtigen. Also den, der ein morgendliches Erscheinen im Büro voraussetzt, feste Pausenzeiten und eine begrenzte Zahl an Urlaubstagen beinhaltet und mich dafür jeden Monat mit einer Gehaltsabrechnung belohnt.

Diese beiden Sachverhalte kombiniert führten in meinem Falle dazu, dass ich bei meinen beiden Mädchen jeweils bereits nach 9 Monaten wieder an den Arbeitsplatz zurückgekehrt bin und dafür Zuhause meinem Mann für 4 Monate das Feld allein überlassen habe. (Dass ich ihm die dafür erforderliche Kompetenz zutraue, ist nicht selten ein weiterer Grund für kollektives Unverständnis – und das nicht nur von weiblicher Seite. Aber dazu kommen wir ein anderes Mal.)

Dass ich nicht falsch verstanden werde: Ich liebe meine Kinder. Ich finde es toll, mich um sie zu kümmern. Aber auf Dauer reicht mir das tägliche Hin und Her zwischen Wickeltisch und Windeleimer und Waschmaschine, zwischen Spülmaschine und Spielplatz, eben nicht. Dann benötige ich geistige Herausforderungen – und damit meine ich nicht die Berechnung der Restmenge an Gummibärchen, die an diesem Tag noch gefahrlos in Umlauf gebracht werden können.

Ungeachtet der Tatsache, dass ich drei Kinder habe, lebt in mir immer noch das Bedürfnis, mich selbst zu verwirklichen, meine Fähigkeiten im Beruf unter Beweis zu stellen. Und hier fängt das Dilemma an. Häufig habe ich das Gefühl, dass eine Frau mit Kindern über ihr Mutterdasein definiert wird. Dass ihr Wert sich daran bemisst, welchen Anteil ihrer Zeit und ihrer Gedanken sie ihrem Nachwuchs schenkt. Aber ist es denn wirklich so, dass der Strich auf dem Schwangerschaftstest die Grenze zwischen Selbstverwirklichung und Selbstaufgabe markiert? Ich denke nicht.

Natürlich ist mir bewusst, dass dies eine sehr persönliche Einstellung ist, die bei jedem verschieden sein kann. Ich würde nie auf den Gedanken kommen, eine Frau zu kritisieren, die sich nach der Geburt drei Jahre voll und ganz ihrem Kind widmet und dies als Erfüllung empfindet. Auch weiß ich aus reichlich eigener Erfahrung, dass das Mutterdasein oft genug harte Arbeit ist. Aber ich plädiere für Toleranz. Für Flexibilität. Für die Vereinbarkeit von Familie und Job. Für Mut zu individuellen Lösungen. Für ein klares Bekenntnis zu den eigenen Bedürfnissen. Die darf man nämlich haben. Auch – und sogar – als Mama.

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