Nächtlicher Ausflug ins Mittelalter

Es ist nachts, 1.58 Uhr. Ich wache auf mit dem vagen Gefühl, an der Wange von etwas Hartem getroffen worden zu sein.

Mühsam öffne ich die Augen, und erblicke direkt vor mir ein rundes, quietschvergnügtes Gesicht. Ich brauche mich gar nicht erst nach links zum Beistellbett zu drehen, um zu wissen, dass es leer ist.
Stattdessen befindet sich Phil direkt neben mir in Krabbelposition und schwingt mit dem ganzen Körper rhythmisch vor und zurück. Seinen Kopf hat er dabei ganz offensichtlich als Rammbock eingesetzt – wieder und wieder gegen Mamas Kopf: Irgendwann muss sie ja mal aufwachen. Ich fühle mich wie eine mittelalterliche Festung unter feindlicher Belagerung. Jetzt liegt Phil da, lässig auf die Unterarme gestützt und strahlt mich an, glücklich, dass das Unterfangen endlich gelungen ist.

Ich seufze leise, betaste meinen schmerzenden Wangenknochen und überlege, was ich nun tun soll. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, das nächtliche Stillen langsam einzustellen. Eigentlich wollte ich mal ausprobieren, es durch Wasser aus der Trinkflasche zu ersetzen. Eigentlich wäre jetzt der ideale Zeitpunkt, um das zu versuchen. Aber ich bin so schrecklich müde… Und so schwenke ich resigniert die weiße Fahne, akzeptiere die Friedensbedingungen und lege Phil an die Brust, der meine Kapitulation mit einem zufriedenen Glucksen quittiert.

Morgen, nehme ich mir vor. Morgen werde ich es mit Wasser probieren.

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