10 Dinge, von denen ich nie dachte, dass ich sie mal tun würde

Dass sich das Leben mit der Entscheidung für Kinder grundlegend verändert, ist bekannt. Mit den äußeren Umständen ändert sich aber auch die eigene Einstellung, und das nicht selten in einer Form, die man früher – also in der Prä-Kind-Ära – nun wirklich nicht erwartet hätte. Hier kommt meine Liste der 10 Dinge, von denen ich nie dachte, dass ich sie mal tun würde:

  1. Die tägliche Nahrungsaufnahme zu einem guten Teil aus kalten Restern bestreiten. Mit der Beschreibung des kindlichen Essverhaltens könnte man vermutlich Bücher füllen. Häufig wird der Tellerinhalt Gegenstand eines überaus kreativen Auswahlprozesses, währenddessen die weniger beliebten Bestandteile unzählige Male auf dem Teller hin- und hergeschoben, angekaut und schließlich doch übrig gelassen werden. Weil es sowohl Verschwendung als auf Dauer auch ziemlich teuer ist, ständig Essensreste wegzuwerfen, muss ich diese wohl oder übel selbst essen.
  2. Mich über Nächte freuen, in denen ich 4 Uhr das erste Mal wach bin. Das bedeutet nämlich in der Regel, dass ich vorher fünf oder sechs Stunden am Stück geschlafen habe. Und das ist eine wirklich großartige Sache.
  3. In Klamotten durch die Wohnung laufen, die voller Flecken sind. Mit kleinen Kindern im Haus sind die Möglichkeiten, die eigene Kleidung zu beschmutzen, vielfältig. Und weil Zeit eine begrenzte Ressource ist, der Wäscheberg ins Unendliche wächst und die mütterliche Eitelkeit sich sowieso irgendwann zwischen Presswehen und Wochenfluss verabschiedet hat, hört man früher oder später auf, sich ständig umzuziehen. Getreu dem Motto: Ein Fleck oder zehn, was macht das noch für einen Unterschied.
  4. Das Kind in Klamotten herumlaufen (/-krabbeln) lassen, die voller Flecken sind. Hinsichtlich der Sauberkeit noch gefährdeter als Mamas Kleidung ist die der Kinder selbst. Es gibt nichts, was nicht darauf landen kann und wird: Brei, Spucke, Schokolade, Marmelade, Butter, Nudeln, Nudelsauce, Saft, Tee, Kakao, Schlamm, Gras, Wasserfarbe, Filzstifte, Leim, Seife, Creme… (Warum nie Wasser? Wasser hinterlässt keine Flecken…) Weiter wie Punkt 3.
  5. Eine Resistenz beim Umgang mit unappetitlichen Substanzen entwickeln. Der Nachwuchs verlässt die Toilette seelenruhig noch während des Entleerungsvorgangs, ein völlig durchweichtes Stück Papier muss aus den hinteren Winkeln von Babys Rachen geholt werden, der Inhalt einer kleinen Schiefnase wird wenig zartfühlend auf dem eigenen Pullover verteilt: Kleine Kinder scheinen am laufenden Band Flüssigkeiten zu produzieren; man kommt einfach nicht darum herum, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wie schmerzbefreit man inzwischen geworden ist, wird immer dann deutlich, wenn man von anderen (, kinderlosen) Menschen im Umfeld beobachtet wird: „Das fasst du an?!“
  6. Den Kleiderschrank der Kinder mit textilen Objekten in sämtlichen Schattierungen von Pink und Rosa füllen. (Gut, das betrifft jetzt vermutlich nur die Eltern von Mädchen.) Egal, wie wenig ich selbst von dieser spezifischen Farbe halte, egal, welche grausigen Bilder ich im Kopf habe von Mini-Cindys, die von Kopf bis Fuß in Pink gehüllt sind: Es gibt eine riesige Auswahl an wirklich schönen, niedlichen Klamotten für kleine Mädchen. Und die meisten davon sind nun mal, zumindest anteilig, rosa. Eines Tages wird aus dem ,Das ist zwar sooo süß, aber ich kann es nicht kaufen, weil es rosa ist…‘ ein ,Das ist sooo süß, das muss ich einfach kaufen, obwohl es rosa ist…‘ So nimmt das Unheil seinen Lauf.
  7. Geduldig dem auf der Toilette sitzenden Kind zuhören, das detailliert beschreibt, was es gerade tut. Ich weiß nicht, warum, aber der Toilettengang scheint für Kinder eine Lieblingsbeschäftigung mit nicht zu vernachlässigender sozialer Komponente zu sein. Während der Prozess nach Belieben in die Länge gezogen wird, befinden sich die Eltern idealerweise in unmittelbarer Nähe, damit sie keinen der abgegebenen Kommentare verpassen. Habe ich es zwischenzeitlich doch geschafft, mich aus dem Bad zu entfernen, holt mich die Realität spätestens bei der laut und in regelmäßgen Abständen wiederholten Statusmeldung „Ich bin feeeeeeertig!“ wieder ein.
  8. Freiwillig Produkte kaufen, die die Merchandising-Industrie hervorbringt. Da regt man sich jahrelang über die Konsumgesellschaft auf, die Kinder als Zugang zum Konto der Eltern nutzt. Und plötzlich steht das Töchterchen da, zupft mich am Ärmel und fragt mit zartem Stimmchen, ob es irgendwann mal ein Elsa-T-Shirt haben kann. Elsa? Wer ist Elsa? Sofort werde ich eifrig über Namen, Aussehen und Charakter der Protagonisten aus Disney’s „Eiskönigin“ ins Bild gesetzt. Dahin sind alle guten Vorsätze: Die glänzenden Kinderaugen scheinen den Kauf aller Elsa- und Anna-Shirts der Welt zu rechtfertigen.
  9. Elterlichen Stolz bei Erreichen objektiv nicht immer nachvollziehbarer Meilensteine empfinden. Der erste Zahn, der erste eigene Schritt oder auch bloß die erstmalige korrekte Aussprache eines Wortes: Fortschritten der eigenen Kinder, die Außenstehende mit bestenfalls höflichem Desinteresse wahrnehmen, misst man nicht selten monumentale Bedeutung zu. Und so ertappe ich mich selbst dabei, wie ich lautstark das Erreichen der nächsten Windelgröße verkünde und mich dann darüber wundere, warum mein Enthusiasmus nicht von jedem und in vollem Umfang geteilt wird.
  10. Eigene Regeln für die deutsche Grammatik und Orthographie aufstellen und als sebstverständlichen Bestandteil des Sprachalltags nutzen. Ich bemühe mich tagtäglich darum, den Genitiv aus den Fängen des Dativs zu retten. Ob das aber die irreführende Verwendung von Personalpronomen, den Ersatz von Namen durch Bezeichnungen und den exzessiven Gebrauch von Diminuitiven wett macht? Da fallen Sätze wie „Wir haben laufen gelernt.“ oder „Wir haben schlechte Laune.“, obwohl doch eigentlich nur eine (kleine) Person gemeint ist. D. heißt schon lange nicht mehr D., sondern prinzipiell Papa, selbst wenn nur Erwachsene im Raum sind. Wir haben Händchen und Füßchen, kuscheln mit Mäuschen und Bärchen, essen Tote-Maten und Ratten-Dieschen. Ja, ich gebe es zu: Wir sind riesengroße Fans der Verniedlichung. Und von Tiets. Vor allem von Tiets.
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