Nachtschlafrückblicksbilanz

Vor genau drei Wochen haben wir es das erste Mal ausprobiert, alle drei Kinder in einem Zimmer schlafen zu lassen. Wenn ich nun nach 21 Tagen Bilanz ziehen will, bringt das auch die Erinnerung zurück an die Zeit, als die Mädchen noch im Baby-Alter waren und wir vor ganz ähnlichen Fragen standen.

Die ersten Lebensmonate hat Nele im Stubenwagen bei uns im Schlafzimmer geschlafen. Wir waren damals noch ziemlich konsequent: Wenn sie geweint hat, bin ich aufgestanden, habe mich mit ihr in den Sessel gesetzt, sie gestillt und anschließend wieder in den Stubenwagen gelegt. Später war es dann D., der ihr das Fläschchen gab, aber das grundsätzliche Prozedere blieb gleich – und zwar jede Nacht einige Male, Monat für Monat. Irgendwann hat D. vorgeschlagen, sie im eigenen Bett im Kinderzimmer schlafen zu lassen. Ich war zunächst dagegen, weil mir bei der Vorstellung graute, mehrmals in der Nacht hundemüde die zusätzlichen Meter bis in ein anderes Zimmer zurücklegen zu müssen. Als Nele etwa 8 Monate alt war, setzte sich D. schließlich durch. Wie so oft behielt das Papa-Bauchgefühl Recht: Buchstäblich von einem Tag auf den anderen waren wir die stolzen Elterns eines Kindes, das nachts durchschlief. Das hat unsere Älteste (mit wenigen Ausnahmen) bis heute so beibehalten.

Von unserer nächtlichen Entschlossenheit war beim zweiten Kind schon nicht mehr viel übrig: Zwar sah auch hier der Plan vor, dass Lena im Stubenwagen nächtigen sollte. Letztendlich schlief sie aber recht häufig mit bei uns im Bett, und das vom ersten Lebenstag an. Das nächtliche Stillen erledigte ich nun oft in der Horizontalen – mit dem Effekt, dass Lena an der Brust sofort und nicht wirklich satt einschlief und entsprechend zeitnah wieder aufwachte. Den Umzug ins Kinderzimmer handhabten wir dann ähnlich wie bei Nele. Die Entscheidung über Getrennt- oder Zusammenschlafen entfiel damals, da unsere Wohnung kein zweites Kinderzimmer hatte. Ich hatte natürlich meine Befürchtungen, aber Nele erwies sich als tolerantes und verständnisvolles Geschwisterkind, das seiner kleinen Schwester freimütig einen Platz im gegenüberliegenden Gitterbett einräumte, sie beim Einschlafen nicht ablenkte und sich auch selbst nicht weiter stören ließ. So funktionierte das System lange Zeit erstaunlich gut, und es gab keinen Grund für uns, etwas daran zu ändern – auch als wir kurze Zeit später in unser Haus einzogen, das durchaus ein zweites Kinderzimmer beherbergte.

Dann kam, was den nächtlichen Schlaf betrifft, für die ganze Familie eine lange, lange Durstrecke – ich hatte unser Leid im Bericht über Phils dritten Lebensmonat schon beklagt. Die Idee eines gemeinsamen Schlafzimmers für die Kinder hat trotz allem nichts von ihrem Reiz verloren, und Phil ist mit seinen neun Monaten ja eigentlich genau im richtigen Alter, um ausquartiert zu werden. Natürlich gestaltet sich das Ganze jetzt etwas schwieriger: Nun sind zwei Persönchen mit im Raum, die abends noch viel plappern, hin und wieder das Bett verlassen und durchs Zimmer laufen, die sich immer wieder gegenseitig aufputschen und damit mehr als genug potentielle Schlafhindernisse darstellen.

Wir haben das Experiment trotzdem gewagt. Die ersten Tage liefen hervorragend: Phil schlief zügig ein, die Mädchen verhielten sich relativ rücksichtsvoll. Überraschend fand ich vor allem, dass Phil, wenn er nachts wach wurde, dies nicht mit unverzüglichem und Weinen kund tat. Stattdessen beobachtete er das Vorgehen im Zimmer eine Weile durch seine Gitterstäbe, ohne sich die Mühe zu machen, erst aufzustehen, und schlief dann unbeeindruckt weiter.

Leider kam er, der Umschwung, und plötzlich klappte nichts mehr. Zurzeit schläft Phil also abends zwar im eigenen Bett ein, wacht aber kurze Zeit später wieder auf – spätestens, wenn die Mädchen ins Bett gehen. Dann beginnt er zu jammern, zieht sich am Kopfende des Bettes hoch und rüttelt unruhig daran. Letztendlich lässt er sich nur beruhigen, wenn wir ihn, abhängig von der Uhrzeit, zu uns nach unten oder ins Schlafzimmer holen.

Nun möchte ich diese Entwicklung eigentlich nur ungern als Misserfolg unseres Projektes ansehen. Vielmehr fällt sie zusammen mit einer allgemeinen Verschlechterung der Laune unseres Söhnchens, die sich auch tagsüber fortwährend bemerkbar macht. Laut meinem schlauen Buch befindet Phil sich mal wieder mitten in einer Phase (oder, wie die Autoren es ausdrücken, „er macht einen Sprung“). Diese dürfte bald wieder vorbei sein, und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich dann auch Phils nächtliches Schlafverhalten wieder bessert. Sprechen wir also lieber von einem zeitweiligen Rückschritt 😉

Besagtes Buch heißt übrigens „Oje, ich wachse!“, geschrieben von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij. Ich habe es sehr zu schätzen gelernt, weil es ziemlich zuverlässige Anhaltspunkte für das Wie und Warum der häufig wechselnden Launen eines Babys gibt. In einem meiner nächsten Beiträge werde ich mich ihm noch einmal ausführlicher widmen.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Nachtschlafrückblicksbilanz“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s