Ein Tag im Zoo

Schon lange hatten wir den Tiets einen Ausflug in den Zoo versprochen. Weil wir die Tierparks der näheren Umgebung bereits abgeklappert haben, hatten wir uns diesmal den Leipziger Zoo als Ziel auserkoren. Am Donnerstag war es soweit: Oma, Anne – die Freundin meines Bruders – Nele, Lena und ich machten uns auf den Weg in die größte Stadt Sachsens. D. hielt mit Phil derweil Zuhause die Stellung.

Die knapp eineinviertelstündige Autofahrt verlief ohne größere Vorkommnisse, wobei man bei solchen Gelegenheiten immer merkt, dass unsere Kinder längere Autofahrten nicht gewöhnt sind (und „länger“ ist so ziemlich alles, was mehr als die fünf Minuten zum Kindergarten dauert). Nele langweilte sich bereits nach einer Viertelstunde so sehr, dass sie mütterliche Animation in Form von „Ich sehe was, was du nicht siehst“ oder Automarken-Erraten einforderte; zwei Spiele, die mich einen Großteil der Autofahrt beschäftigten. Lena ihrerseits war zunächst damit beschäftigt, die anderen Insassen auf das Vorhandensein eines rauchenden Schornsteins am Horizont aufmerksam zu machen: „Feuer!!! Da brennt es!“ Danach trug sie ihren Teil zum Gespräch bei, indem sie die absolute Kinder-Klischee-Frage unzählige Male wiederholte: „Wann sind wir denn endlich da???“

Gegen halb elf konnte ich die gefühlt dreißigste Variation dieser Frage mit „Jetzt!“ beantworten. Wir stellten das Auto in der Tiefgarage vis-à-vis dem Zoo ab, holten unsere Tickets, und dann machten wir uns daran, dem ausgeschilderten Rundweg folgend den Zoo zu erkunden. Erwartungsgemäß setzte frühzeitig eine rege Streiterei um den Sitzplatz im Buggy ein. Nichtsdestotrotz war es gut, dass wir ihn eingepackt hatten: Über den Tag verteilt kamen einige Kilometer zusammen, und insbesondere für Lena wäre die gesamte Strecke zu Fuß wahrscheinlich zu anstrengend gewesen.

Im weiteren Verlauf des Tages konnten wir wieder einmal feststelen, wie frühzeitig sich gewisse Neigungen der Kinder doch manifestieren. Da ist Nele, die ihren ersten Ausflug in den Tierpark mit Oma und Opa fast komplett verschlafen hat (zugegeben, sie war damals gerade mal zehn Monate alt). Beim zweiten Versuch, etwa ein Jahr später, zeigte sie mehr Interesse an der Kleidung der anderen Besucher als an den Tieren. Und auch gestern musterte sie die meisten Tiere eher höflich distanziert, während sie magisch angezogen wurde von allen Informationstafeln, Kopfhörern, Klettertürmen und Hängebrücken. Und dann ist da Lena: Schon seit sie reden kann, plappert sie ständig von „Tieren“, kreischt Zuhause vor Entzücken über jedes Schaf, jedes Pferd und jede Kuh, die sie sieht. Sie konnte gar nicht genug bekommen vom Anblick der Zoo-Bewohner, wollte an jeder Station auf den Arm genommen werden, damit ihr ja nichts entging. Sogar noch am Schluss, bei den Wildpferden – die nach den ganzen Exoten ja nun wirklich nichts Besonderes mehr waren – haben wir sie kaum von ihrer Position am Zaun wegbekommen: „Will noch Pferde gucken!“

Auf der Rückfahrt schliefen beide Mädchen ein, völlig erschöpft von allem, was sie gesehen und erlebt hatten, und natürlich auch bedingt durch den entfallenen Mittagsschlaf. Als sie kurz vor Ende der Fahrt wieder aufwachten, waren sie entsprechend schlecht drauf – wie das so häufig der Fall ist, wenn aufregende Ereignisse ihren Tagesrhythmuss durcheinander bringen. Die Laune besserte sich nicht wesentlich im Verlauf des Abends: Die Mädchen bockten, aßen schlecht, zogen jede ihrer Tätigkeiten in die Länge, und brachen beim kleinsten Anlass in Tränen (Nele) oder Geschrei (Lena) aus. Aufgedreht und übermüdet, wie sie waren, wurde auch das Einschlafen zum Kampf. Solidarisch beschloss Phil, sich ihnen anzuschließen. Ein altbekannter Teufelskreis: Mit jedem Gang ins Kinderzimmer wurden die Eltern gereizter, und mit jedem genervten Wort wurden die Tiets weinerlicher. So nahm der Tag ein ziemlich lautes und tränenreiches Ende. Um neun gab ich auf, verabschiedete mich von der Illusion, noch irgendetwas erledigen zu können und legte mich mit Phil zusammen schlafen.

Trotz allem war es ein sehr schöner Tag; ich finde, der Zoo in Leipzig ist wirklich sehenswert. Der Eintritt ist mit 18,50 € für Erwachsene, 11 € für Kinder ab 4 Jahren beziehungsweise 47 € für die Familienkarte sicher kein billiges Vergnügen. Andererseits will so eine aufwändige und komplexe Anlage auch gepflegt werden, müssen Angestellte bezahlt und Tiere gefüttert und versorgt werden (Ich mag mir nicht vorstellen, wieviel Geld so ein Elefant täglich verfuttert. Und die haben 8 davon!). Daher ist der Preis in meinen Augen absolut berechtigt. Familien, die den sächsischen Familienpass haben (also z.B. Eltern mit mindestens drei kindergeldberechtigenden Kindern), erhalten übrigens vergünstigten Eintritt: Die Familienkarte kostet dann nur noch 26 € – ein beachtlicher Unterschied zum Normalpreis. Was lernen wir daraus? Es lohnt sich durchaus, drei Kinder zu haben 😉

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