10 Dinge, die mich von der „idealen“ Mama unterscheiden

Kürzlich bin ich bei Anni von Marmeladenschuh auf einen amüsanten Beitrag mit dem Titel „Meine Mama-Mankos“ gestoßen. Darin zählt Anni auf, mit welchen Eigenschaften des (klischeehaften) Mütterideals sie sich so gar nicht identifizieren kann.

Ich musste gar nicht lange nachdenken, da hatte ich selbst 10 Dinge gefunden, die mich ganz klar als mütterliches Musterbeispiel disqualifizieren. Einige davon finden sich auch auf Annis Liste, andere sind wohl spezifische Tiet-Mama-Mankos. Also, los geht’s:

  1. Ich bin nicht der Typ für kollektiven mütterlichen Erfahrungsaustausch. Es begann schon im Geburtsvorbereitungskurs: Während andere Schwangere nichts Eiligeres zu tun hatten, als Telefonnummern auszutauschen und WhatsApp-Gruppen zu gründen, gemeinsame Ausflüge zu planen oder Sammelbestellungen in einschlägigen Online-Shops zu tätigen, stand oder saß ich stets abseits. Ich unterhalte mich gern mit Freunden, die sich gerade in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, über die verschiedenen Aspekte des Schwanger- und Mutter-Seins. Aber neue Kontakte zu knüpfen, die nur auf dieser einen Gemeinsamkeit basieren,  fällt mir sehr schwer – und, das muss ich zugeben, es mangelt mir auch häufig an Interesse daran.
  2. Ich halte mich nicht gern lange im Kindergarten auf. Stundenlange Ankunfts- und Abschiedszeremonien. Das nachmittägliche Sitzen im Gruppenzimmer, während dem Kind verzückt beim Spielen zugeschaut wird. Das friedliche Warten in der Garderobe, bis nach der zehnten sanften Ermahnung, sich allein anzuziehen, endlich der erste Schuh am kindlichen Fuß justiert ist. Alles Dinge, die ich tagtäglich beobachten und einfach nicht verstehen kann. Elternrat, freiweillige Arbeitseinsätze, Muttertagskaffee… ich kann mich beim besten Willen nicht für so etwas begeistern. Der Kindergarten ist für mich eine funktionale Einrichtung, die ich nach Erfüllung meiner Pflicht – dem Hinbringen respektive Abholen meiner Kinder – möglichst schnell wieder verlassen möchte. So lasse ich mich auch nur sehr selten dazu überreden, meine Anwesenheit um einige Minuten zu verlängern,  weil die Tiets beim Abholen „nur noch mal schnell schaukeln“ wollen. Ich befürchte, ich bin eine Spielverderber-Mama.
  3. Ich kann Basteln nicht ausstehen. Als Kind habe ich viel und gern gebastelt. Heute frage ich mich, wieso – schließlich besaß ich zu keiner Zeit die nötige Feinmotorik und Genauigkeit dafür (Noch heute spuken mir die Beurteilungen aus meinen Zeugnissen im Kopf herum: „Du arbeitest zügig – leider manchmal nicht sauber.“) Wann immer die Tiets sich mir mit einer Zeitschrift in der Hand und mit den Worten nähern: „Mama, auf dieser Seite kann man was basteln. Kannst du mit mir…“, ergreife ich die Flucht. Und ja, ich habe ein schlechtes Gewissen deshalb. Manchmal.
  4. Ich fahre nicht gern in den Urlaub. Das ist eigentlich kein reines Mütter-Manko. Freunde, Bekannte, Kollegen – ich habe noch nicht allzu viele Menschen getroffen, die meine Ansicht nicht mit Unverständnis zur Kenntnis genommen haben. Ich reise einfach nicht gern. Meinen Traumurlaub würde ich Zuhause verbringen, und zwar damit, stundenlang Bücher zu lesen. 14 Tage am Stück, wenn es sein muss – das ist mein voller Ernst. Zurück auf den Boden der Tatsachen: Mit drei Kindern ist das natürlich eine völlige Utopie. Das geht schon in Ordnung. Jedenfalls ist D. ein ebensolcher Reisemuffel wie ich (Wie ich ihn liebe, meinen Mann!), deshalb kamen wir bis jetzt ganz gut ums Verreisen herum. Zurzeit fällt das den Tiets noch nicht auf. Ich fürchte allerdings, es wird nicht mehr lange dauern, da müssen wir ihnen zuliebe auch ab und zu mal einen Tapetenwechsel einplanen. Wer weiß, vielleicht finde ich ja Gefallen daran.
  5. Ich unternehme prinzipiell nicht gerne Ausflüge. Ebensowenig wie Urlaubsreisen reizen mich Wochenendausflüge oder sonstige Aktivitäten. Schwimmbäder, Freizeitparks, Kletterwälder, Geocaching, Radfahren, Zelten…. es gibt viele Möglichkeiten, seine Freizeit außerhalb des eigenen Heims zu gestalten. Die Freude daran muss ich wohl erst noch entdecken. Wenn ich ehrlich bin, wüsste ich auch gar nicht recht, wo ich die Zeit dafür hernehmen sollte. Und so müssen die Tiets vielleicht auf so manche spannende Erfahrung verzichten, nur weil ihre Eltern jedes Wochenende in Haus und Garten beschäftigt sind.
  6. Mir fehlt es häufig an Geduld. Mein Kopf ist ein einziger Terminplaner: Ich habe irgendwie immer zu tun. Entsprechend knapp sein meine Zeit und Geduld bemessen. Das macht sich immer dann besonders bemerkbar, wenn ich irgendwelche Aufforderungen äußere, die von den Tiets mal wieder vollkommen ignoriert werden. Das erste Mal bitte ich die Tiets, beim zweiten Mal werde ich schon nachdrücklicher. Beim dritten Mal hört man mir den Unwillen dann deutlich an. Ich bin außerstande, in aller Seelenruhe x-mal den gleichen Satz in derselben freundlichen Tonlage zu wiederholen. Manchmal frage ich mich, wie es Umstehende wahrnehmen, wenn ich mit heulenden Kindern im Schlepptau durch die Gegend ziehe – was gar nicht so selten vorkommt. Und immer wieder mache ich mir Gedanken darüber, ob ich zu oft mit meinen Kindern schimpfe, ob ich zu streng bin oder zuviel von ihnen verlange.
  7. Ich mag meinen Job. Auch das ist ein Punkt, der sich in Annis Liste findet. Für mich ist die Arbeit ein wichtiger und erfüllender Aspekt im Leben. Ich finde es schön, früh im Business-Outfit aus dem Haus zu gehen, inmitten einer geschäftigen Büroatmosphäre zu agieren, an Meetings teilzunehmen, Geld zu verdienen. Nicht selten komme ich mir mit dieser Einstellung als regelrechte Außenseiter-Mama vor. Ich kann mir nicht im Traum vorstellen, Vollzeit-Hausfrau und -Mutter zu sein. An der Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass ich diese Einstellung nur auf mich persönlich beziehe und ich die Arbeit ebendieser Hausfrauen und Mütter keinesfalls abwerten möchte.
  8. Ich bin sehr zögerlich, wenn es darum geht, den Kinderarzt aufzusuchen. Ich rede jetzt nicht von Notfällen, von denen ich glücklicherweise noch keine erleben musste. Auch die Termine zu den U-Untersuchungen nehme ich brav und turnusgemäß wahr. Aber wann immer die Tiets diese typischen diffusen Anzeichen eines Infektes zeigen – ein bisschen Schnupfen, ein bisschen Heiserkeit, ein bisschen Fieber – bin ich nicht sonderlich beunruhigt. Statt unverzüglich den Arzt aufzusuchen, um alle möglichen schwerwiegenden Erkrankungen ausschließen zu lassen, warte ich lieber erst mal ab und hoffe, dass die Symptome von selbst wieder verschwinden. (Das geht natürlich nur, wenn sie trotzdem in den Kindergarten gehen können und also keine Kind-Krank-Bescheinigung benötigt wird.) Auch mit der Verabreichung konventioneller Medikamente tue ich mich schwer. So kommt es, dass meine Kinder bei einer Erkältung häufig auf Hustenbonbons, Hustenstiller und Fiebersaft verzichten und stattdessen mit einem Gebräu aus Rettich und Kandiszucker vorlieb nehmen müssen.
  9. Ich brauche abends meine Ruhe. Tagsüber werden bei allen Tätigkeiten und Unternehmungen die Tiets berücksichtigt. Die Abende aber sind bei mir anderweitig verplant: (selten) für Entspannung vorm Fernseher, (häufiger) für ein gutes Buch, (ganz häufig) für liegengebliebene Haushaltstätigkeiten. Der Abend gehört mir und meinen To Dos. Neben meiner Überzeugung, dass Kinder einen regelmäßigen Tagesablauf brauchen, ist das ist der Hauptgrund dafür, dass ich alles daran setze, sämtliche Tiets frühzeitig ins Bett zu verfrachten. Dass meine Bemühungen, wie ich schon an verschiedenen Stellen erwähnt habe, nicht immer erfolgreich sind, steht auf einem anderen Blatt.
  10. Ich habe wirklich, wirklich nicht die geringste Lust darauf, Kindergeburtstage auszurichten. Bis jetzt musste ich das auch nicht. Aber das Damokles-Schwert streift bereits meinen Haaransatz: Nele war in diesem Jahr bereits zwei Mal selbst zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Wenn sie im Oktober 5 Jahre alt wird, werde ich mich revanchieren müssen…
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2 Kommentare zu „10 Dinge, die mich von der „idealen“ Mama unterscheiden“

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