„Oje, ich wachse!“ – Hetty van de Rijt, Frans X. Plooij

Vor kurzem habe ich in meinem Rückblick zur Entwicklung des Nachtschlafs der Tiets schon einmal das Buch „Oje, ich wachse!“ erwähnt. Heute will ich darauf ausführlicher eingehen. Ich bin im Allgemeinen kein großer Fan von Ratgeber-Literatur, weder in Form von Zeitschriften noch von Büchern – die entsprechende Abteilung in meinem Bücherregal ist ziemlich übersichtlich. (Ja, ich habe mein Bücherregal nach Themengebieten unterteilt… 😉 ) Einige wenige finde ich aber richtig gut, und „Oje, ich wachse!“ gehört dazu.

Der Inhalt

Zusammengefasst geht es darum, dass Kinder in ihrer mentalen Entwicklung Phasen durchleben, so genannte „Sprünge“ machen. Die Autoren Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij – beide haben unter anderem Psychologie studiert – haben in ihren Forschungen herausgefunden, dass bei jedem Kind diese Sprünge zum etwa gleichen Zeitpunkt auftreten und etwa gleich lange dauern. Diese Entwicklungsschübe sind für das Kind ziemlich anstrengend, weshalb es währenddessen prinzipiell schlechter drauf ist als sonst: Es weint mehr, will öfter bespaßt werden, schläft und isst nicht mehr so gut und so weiter. Sind die Phasen vorbei, geht es aufwärts: Babys Laune, Schlaf und Essverhalten normalisieren sich.

Das Buch betrachtet dabei die ersten 14 Lebensmonate eines Kindes, in denen die Autoren acht solcher Sprünge identifiziert haben. Für jeden Sprung wird detailliert aufgezeigt, in welcher Lebenswoche mit dem Beginn und dem Ende zu rechnen ist, wodurch er sich ankündigt, welche neuen Fähigkeiten Baby in dessen Verlauf hinzugewinnt und wie man es dabei unterstüzen kann.

Was ich gut daran finde

Wenn man bereit ist, die zeitliche Einteilung der Sprünge zu akzeptieren als das, was sie ist – nämlich ein ungefährer Zeitrahmen und keine Auflistung unumstößlicher Termine – dann wird man feststellen, dass das Buch die schwierigen Phasen des eigenen Kindes tatsächlich ziemlich gut vorhersagen kann. In unserem Fall zum Beispiel sind sowohl bei Lena als auch bei Phil die Start- und Endzeitpunkte um etwa zwei Wochen nach vorn verschoben – was ziemlich genau der Zeit entspricht, die die beiden nach errechnetem Termin noch länger in Mamas Bauch verbracht haben. Was die Dauer betrifft, stimmen sie mit den angegebenen Zeiträumen überein. Mir ist natürlich klar, dass das Leben mit kleinen Kindern nicht durchgängig planbar ist, aber trotzdem finde ich es ganz schön, wenn ich weiß: „Aha, demnächst dürfte wieder eine schwierige Zeit anstehen“ oder „Puh, noch etwa eine Woche, dann ist der Spuk vorbei“.

Schön ist auch, dass auf einzelnen Seiten Platz für eigene Eintragungen ist – so kann man für sein Kind ganz individuell die in dieser Phase zutreffenden Punkte ankreuzen, genaue Termine festhalten, Bemerkungen notieren oder Fotos einkleben. Zugegeben, der Aufwand für Letzteres war mir dann doch zu viel. Kreuzchen und Notizen habe ich aber fleißig gemacht: Schwarzer Kugelschreiber für Lena, und jetzt der blaue für Phil.

20160710_212355

Wie oft ich es lese

Einen Ratgeber verschlingt man nicht unbedingt hintereinander weg. Dementsprechend habe ich „Oje, ich wachse!“ auch nie von Anfang bis Ende durchgelesen. Stattdessen habe ich immer die für das entsprechende Alter meines Kindes gerade relevanten Kapitel gelesen – sowohl bei Lena als auch jetzt wieder für Phil. Auch zwischendurch blättere ich immer wieder darin: Wenn ich merke, dass sich bei Phil wieder ein Sprung ankündigt, wenn ich wissen will, welche neuen Fähigkeiten er gerade ausbrütet oder wenn mich interessiert, wie die jeweiligen Lebenswochen bei Lena damals verlaufen sind.

Was ich gelernt habe

Der Grundtenor des Buches ist: Die Phasen kommen, ob man will oder nicht, und sie gehen auch wieder vorbei. Die Erkenntnis „Es ist alles nur eine Phase…“  dürfte allen Eltern bekannt sein und ist an sich nicht bahnbrechend neu. Aber nun wird sie wissenschaftlich untersetzt und logisch nachvollziehbar.

Es ist ein absoluter Gewinn, wenn man weiß, dass gewisse Dinge unausweichlich sind, weil man dann (meist) viel entspannter damit umgehen kann. So ist es zumindest uns ergangen – mir, weil ich davon gelesen habe, und D., weil ich ihm in allen Einzelheiten von meinen neuen Einsichten berichtet habe. Beispiel: Das abendliche Einschlafritual. Immer, wenn Nele abends nicht von allein eingeschlafen ist, sind wir zu ihr ins Zimmer gegangen, haben ihr das Nucki in den Mund gesteckt und sind wieder verschwunden. Bei ihr bleiben oder sie mit in unser Bett nehmen wollten wir nicht, weil wir befürchteten, dass wir ihr das dann später mühevoll wieder abgewöhnen müssten. Also rannten wir bei jedem Weinen aufs Neue zu ihr, manchmal im 5-Minuten-Takt. Als das Einschlafen dann irgendwann ohne Hilfe klappte, sind wir davon ausgegangen, dass unsere Erziehung Wirkung gezeigt hat. Wochen später, wenn dann wieder gar nichts funktionierte, haben wir uns erneut Abend für Abend den mühsamen kleinen Dauerlauf auferlegt. Bei Lena wussten wir: Okay, das ist jetzt eben so, wir können sowieso nichts dagegen tun, und haben uns in dieser Hinsicht von vornherein viel Stress erspart. Lena durfte viel häufiger mit zu uns ins Bett als Nele. Und wenn Phil jetzt abends nicht einschläft, setzt sich D. neben sein Bettchen und hält seine Hand – ohne schlechtes Gewissen, ihn zu verwöhnen oder irgendwas einreißen zu lassen. Wir sind uns nämlich im Klaren darüber, dass Phil gerade eine schwierige Phase durchmacht, er deswegen ein bisschen mehr Hilfe als sonst von uns benötigt, und wenn diese Phase vorbei ist, wird es mit dem Einschlafen von einem Tag auf den anderen wieder problemlos funktionieren.

Natürlich kommt diese Gelassenheit auch daher, dass wir mit der Zeit unweigerlich an Erfahrung und damit Sicherheit gewonnen haben. Dennoch hat das Buch einen guten Teil dazu beigetragen und ist damit eine absolute Bereicherung für unser Eltern-Dasein.

Advertisements

1 Kommentar zu „„Oje, ich wachse!“ – Hetty van de Rijt, Frans X. Plooij“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s