Monat elf im Leben zu fünft

Oder: Ma-ma


Die Zeit rennt… Schon wieder ist ein Monat vergangen. D. und ich haben beide viel zu tun auf Arbeit, im Garten ist Erntezeit und darüber hinaus beginnt jetzt die interfamiliäre Hochsaison für Geburtstagsfeierlichkeiten: Jede Menge außerplanmäßiger To Dos, deren Ausführung wir so gut es geht und mit nicht immer optimalem Erfolg hinterherhecheln. Eins steht fest: Die Tage sind zu kurz. Wer hat sich das mit den 24 Stunden ausgedacht? Gut wären 26. Oder, noch besser, 28.

Für Phil und Lena steht mit der U6 beziehungsweise der U7a wieder einmal eine Vorsorge-Untersuchung beim Kinderarzt auf dem Plan. Phil wiegt mittlerweile etwas über 9,5 Kilogramm und ist 76 Zentimeter groß. Die Zahlen liegen erwartungsgemäß im Normalbereich, beweisen aber auch, dass sich Phils Wachstum stark verlangsamt hat im Vergleich zu den Werten aus seinen ersten Lebenswochen, die zunächst im oberen Bereich der Normkurve lagen. Lena trifft mit ihren 14,2 Kilogramm und 96 Zentimetern ebenfalls ziemlich genau die Durchschnittswerte für eine (fast) Dreijährige.

Phil beginnt zunehmend, sich der Sprache zu bedienen: Seine Aktivitäten und Gefühlszustände untermalt er nun lautstark mittels unendlichen Aneinanderreihens der immer gleichen Silbe. Dabei kann er schon auf ein ganz ordentliches Repertoire zurückgreifen: Von „Ey-ey-ey-ey-ey“ über „Da-da-da-da-da“ bis hin zu „Uah-uah-uah-uah-uah“. Aus dem anfänglichen „Ma-ma-ma-ma-ma“, das er immer dann genutzt hat, wenn er auf mich zugekrabbelt ist, um hochgenommen zu werden, ist inzwischen ein eindeutig erkennbar abgegrenztes „Ma-ma. Ma-ma.“ geworden. Diese Tatsache macht mich sehr glücklich. Ich weiß nicht mehr genau, welches Wort Nele oder Lena zuerst aussprechen konnten: „Mama“ war es ganz gewiss nicht. Ich grinse also D. an (Siehst du? Immer noch ein Mama-Tiet!) und nehme seinen sanften Spott mit Gleichmut hin. Dieser Illusion lasse ich mich unter keinen Umständen berauben.

Und dann fallen uns zurzeit sehr deutlich gewisse Unterschiede auf zwischen Phils Verhalten jetzt und dem der Mädchen damals, als sie in seinem Alter waren. Phil nimmt wie selbstverständlich Spielzeugautos in die Hand, fährt damit über den Boden und macht dazu „Brrrrrrr… brrrrrrr…brrrrrrr.“ Neles und Lenas Autos, nebenbei bemerkt, denn die beiden besitzen einen nicht unerheblichen Vorrat an Fahrzeugen (Es ist ja nicht so, dass wir unseren Töchtern immer nur „Mädchen-Spielzeug“ geschenkt hätten – nur haben sie sich eben nie großartig damit beschäftigt). Neben der Neugier auf alles, was sich in seiner Reichweite befindet, scheint Phil insbesondere bei technischen Geräten ein Interesse nicht nur an den Dingen selbst, sondern auch an ihrer Funktionsweise zu haben: Er sucht gezielt nach dem An-/Aus-Schalter, wartet ab, was bei Betätigung von Tasten geschieht, öffnet Klappen und Türen und prüft, wie verschiedene Dinge in verschiedene Öffnungen passen (Ob sich der Beißring in den Einwurfschacht des Videorekorders stecken lässt?). Das ist schon irgendwie faszinierend, denn weder Nele noch Lena haben so eine Herangehensweise an den Tag gelegt. Ist es tatsächlich möglich, dass wir sie bereits anerzogen haben? Dass wir mit Phil unbewusst anders umgehen, weil er ein Junge ist? Oder liegt es am zeitigen Eintritt in die Kinderkrippe, in der er sich dieses Verhalten abschauen konnte?

Bild1

Ein Höhepunkt im Juli ist unser Urlaub. Urlaub? Moment, hatte ich nicht eben noch verkündet, dass ich nicht gern in den Urlaub fahre? Ja, diese Aussage behält auch nach wie vor Gültigkeit. Nun ist es aber so, dass Nele in den letzten Jahren dreimal eine Woche mit Oma an die Ostsee fahren durfte. Sie fand diese Urlaube, in denen sie Oma mal ganz für sich allein hatte, immer toll und kam jedes Mal spürbar erholt zurück. Dieses Jahr ist auch Lena alt genug. Es erschien uns ungerecht, sie außen vor zu lassen. Oma allein mit den beiden permanent um ihre Aufmerksamkeit konkurrierenden Mädels auf die 600 Kilometer lange Strecke schicken wollte ich aber auch nicht. Und so haben wir den Spieß einfach umgedreht und sind zu fünft gefahren: Oma, ich und die Kinder, während der arme D. arbeiten musste und Zuhause blieb. Die Erfahrung war… nun ja, grenzwertig – ich werde bald darüber berichten. Am Ende der Woche steht jedenfalls fest: Nele liebt die Ostsee immer noch. Lena liebt die Ostsee nun auch. Phil mag keinen Sand. Und Oma und ich sind urlaubsreif.

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