Monat zwölf im Leben zu fünft

Oder: Läuft.


Der Monat wird eingeläutet mit Lenas drittem Geburtstag. Das Wetter ist toll, wir können draußen auf der Terrasse feiern, und Lena genießt es sichtlich, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Riesengroß ist sie geworden, die kleine Maus – im Alltag, mittendrin zwischen der großen Schwester und dem Nesthäkchen rückt das nur allzu oft in den Hintergrund. Dabei haben wir allen Grund, stolz auf sie zu sein: Lena hat eine schnelle Auffassungsgabe, sie steht Nele kaum nach, was die sprachlichen Fähigkeiten betrifft, kann sich ziemlich lange konzentriert allein beschäftigen und ist überdies in all ihrem Tun rundherum süß. Den Übergang in den Kindergarten hat sie ohne größere Probleme gemeistert, das bestätigt auch ihre Erzieherin, die sie als liebes, kluges Kind beschreibt. Ob sie sich bei ersterem Attribut versprochen hat? Nein, Spaß beiseite: Lena hat tatsächlich eine sehr liebe, kuschelbedürftige, sensible Seite. Die muss man allerdings suchen, denn sie versteckt sich meist hinter dem Schalk, der ihr im Nacken sitzt und aus den hübschen braunen Augen blitzt, wann immer sie uns ansieht.

Gute Nachrichten gibt es bei Lena auch in anderer Hinsicht: Am letzten Urlaubstag hat sie Fischstäbchen gegessen, weil ich bei der Bestellung (wieder einmal) vergessen habe, dass die Panade Weizen enthält. Resigniert warte ich auf den Ausschlag und – er kommt nicht. Neugierig geworden lasse ich sie auf der Heimreise von meinem Donut abbeißen: Wieder ist nicht das kleinste rote Pünktchen zu sehen. Jetzt wollen wir es wissen: Zuhause ergänzen wir Lenas Speiseplan bewusst nacheinander um einige wenige Weizenprodukte. Als sich auch dann noch keine Hautreaktion zeigt, schöpfen wir Hoffnung: Vielleicht hat sich die Überempfindlichkeit tatsächlich einfach so „von selbst“ gelegt? Wir werden das weiter beobachten, sind aber vorsichtig optimistisch.

Nele hat im August eine kleine Premiere: Das erste Mal darf sie eine Freundin mit zu sich nach Hause nehmen. Um ehrlich zu sein, habe ich das bis jetzt ein bisschen vor mir hergeschoben, weil ich die wenige Zeit, die mir zur Verfügung steht, nicht noch weiter minimieren wollte. Meine Befürchtungen erweisen sich als unbegründet: Ich stelle fest, dass es – zumindest auf diese paar Stunden gesehen – keinen Unterschied macht, ob man auf drei oder auf 4 Kinder aufpasst. Es gibt, um im Berufsjargon zu bleiben, deutliche Synergieeffekte 😉 Über weite Strecken kommen die Mädchen mit sich allein zurecht, und beim Abendbrot fällt eine kleine Heuschrecke mehr auch nichts ins Gewicht. Und die Kinder haben tatsächlich so viel Spaß zusammen, dass wir das wohl bald wiederholen werden.

Phil wird ein Jahr alt und arbeitet scheinbar in allen Bereichen seiner Entwicklung auf Hochtouren: Sein Wachstum macht wieder einen spürbaren Sprung, mittlerweile ist ihm die Größe 80 schon fast wieder zu klein, und auch die Füßchen werden wohl bald in Schuhen der Größe 22 stecken.

Er bekommt seinen dritten Zahn. Wieder dauert das Prozedere einige Tage lang, und wieder lässt Phil seine Umwelt jammernd daran teilhaben. Nach einer einwöchigen Ruhepause steht nun auch Nummer 4 in den Startlöchern… Uff.

Phil hat großen Spaß daran, mit der Sprache herumzuexperimentieren. Das bleibt nicht ohne Wirkung: Sein Vokabular umfasst mittlerweile stolze 5 eindeutig voneinander abgrenzbare Wörter: „Mama“, „Ja“, „Nein“, „Dei“ und – natürlich – „Da“. (Bei „Papa“ gehen die Meinungen auseinander.)

Wenige Tage vor seinem ersten Geburtstag macht Phil dann auch seinen ersten selbstständigen Schritt. Vom wirklichen Laufen kann noch nicht die Rede sein – allzu lange dürfte das aber nicht mehr dauern. Bis es soweit ist, widmet sich unser Jüngster mit Hingabe einer neu entdeckten sportlichen Aktivität: dem Klettern. Bereits im Urlaub haben wir eine Kostprobe davon bekommen, als er die Wendeltreppe der Maisonette-Wohnung zum Objekt seiner Begierde auserkoren hat. Wie stark die Faszination ist, die das Überwinden von Höhenunterschieden auf ihn ausübt, merken wir erst jetzt: Die Treppe ins Obergeschoss stellt schon lange kein Hindernis mehr dar. Im Kinderschlafzimmer hängt Phil zu unserer Verblüffung plötzlich an der dritten Sprosse der Leiter des Hochbetts. Und ich will gar nicht von dem Schreck reden, den ich bekomme, als ich ihn auf der untersten Stufe der Steckleiter stehend entdecke, die an der Hauswand lehnt – und die ist einige Meter hoch. Ein weiterer Punkt also für unsere stetig wachsende Liste der Dinge, die wir ständig im Blick haben müssen.

Und nun? Phil ist jetzt ein Jahr alt. Da darf man als Mama schon mal fragen: Wo zum Henker ist die Zeit nur hin??? Wir haben endgültig Abschied vom Brei genommen, in den Kindergarten bekommt er seine eigene Brotdose mit (womit ich nun jeden Tag 6 Exemplare für die Familie fertig mache), und mittags isst er das, was auch alle anderen bekommen. Seine abendliche Stillmahlzeit fordert Phil nach wie vor mit Vehemenz ein. Irgendwann muss ich ihm diese abgewöhnen, was wohl nicht ohne einige nervenzehrende Abende voller Tränen und Gebrüll zu bewerkstelligen sein wird. Noch sind D. und ich nicht dazu bereit, das durchzustehen. Die Nächte sind ohnehin – trotz deutlicher Besserung – schon kurz genug. Und dennoch: Mit Augenringen und fusselig geredeten Mündern, nach Schreckmomenten und Schimpftiraden, inmitten von kindlichen Tobsuchtsanfällen und Heulkrämpfen: Immer wieder halten wir inne, sehen uns an und stellen fast erstaunt fest, was für tolle Kinder wir haben und wie glücklich wir als Familie doch eigentlich sind. Wir haben ein aufregendes Jahr im Leben zu fünft hinter uns – und sind voller Vorfreude auf das nächste.

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