Spielplatzgeflüster

Ich bin nicht wirklich zu begeistern für Ausflüge auf den Spielplatz, das habe ich ja schon mehrfach erwähnt. Eigentlich bin ich für Ausflüge im Allgemeinen nicht zu begeistern – aber, um es mit Michael Endes Worten zu sagen, das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Jedenfalls bekam ich gestern Besuch von meiner besten Freundin. Wir nutzten das schöne Wetter, haben die Tiets eingepackt und sind losgestiefelt. Ganz in unserer Nähe liegt ein Stausee, der über einen ziemlich großen Spielplatz verfügt, und genau den nahmen wir – nicht ganz freiweillig – ins Visier. Aber, wer hätte das gedacht: Diesmal hat der Ausflug tatsächlich Spaß gemacht. Das lag natürlich zum einen an der sehr netten Begleitung, denn was kann es schon Schöneres geben als ein ausgiebiges, tiefschürfendes Gespräch unter Freundinnen (auch wenn es in 30 Sekunden-Abständen unterbrochen wird von Sätzen, die von schräg unten kommen und mit „Mama????!!!…“ beginnen)?

Zum anderen musste ich gestern mal wieder feststellen, dass unser Jüngster eine völlig andere Herangehensweise an das Leben hat als seine Schwestern damals: Die Mädchen waren vorsichtiger, brauchten die ununterbrochene Animation durch Mama und Papa, den Blickkontakt, die Absicherung, dass alles gut war und nichts passieren konnte. Phil ist da abenteuerlustiger. Unerschrockener. Das ist nicht immer von Vorteil – gestern aber hat es mich regelrecht verzückt.

Ohne zu zögern wagte sich Phil sich ins Kletternetz, ließ sich in die Stricke hineinplumpsen, baumelte mit den Beinen und grinste uns an, die wir einigermaßen verdattert draußen standen. Im Watschelgang, der so typisch ist für Laufanfänger (und sooo süß), wackelte er zielstrebig über die Minigolfanlage. Über die eisernen Umrandungsstäbe der einzelnen Bahnen stolperte er jedes Mal aufs Neue, fiel hin und rappelte sich fröhlich wieder auf. Er folgte den Hürden, krabbelte über Bodenwellen und versenkte sein Gesicht so tief es ging im Zielloch. Er kletterte (mit Mamas Hilfe) aufs Schaukelpferd und wippte fröhlich vor und zurück, juchzte vor Freude über die erzeugte Wipp-Bewegung und ließ sich nicht im Mindesten davon stören, dass sein Gesicht ab und zu unsanft mit dem harten Pferdenacken kollidierte.

Es war einfach schön, zuzusehen, wohin ihn sein Forscherdrang führte, ihn Schritt für Schritt zu begleiten, zu hören, wie er voller Stolz über die Bewältigung eines Hindernissen gluckste – und ich konnte gar nicht anders, als mich von seiner unbeschwerten Freude anstecken zu lassen.

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