Potzblitzblank.

Bei den meisten Dingen meines Lebens denke ich, sie selbst machen zu müssen. Job, Haushalt, Kinder – wo ist da das Problem? Geburtstagsfeiern, Fotobücher, Blogbeiträge: Andere Mütter bekommen es ja schließlich auch auf die Reihe. Abgesehen von meinem Mann (den ich wirklich sehr gern für alle Belange des Familienlebens einspanne  😉 ) tue mich sehr schwer damit, Hilfe anzunehmen, und wenn ich mich dazu durchringe, habe ich meist ein schlechtes Gewissen hinterher. Hätte ich andere Menschen wirklich damit behelligen müssen? Wäre es nicht auch allein gegangen?

Ich habe viel über diese Philosophie nachgedacht in den letzten Monaten. Es ist vermutlich ein ganz normaler Prozess in einer wachsenden Familie: Auf der Suche nach der perfekten Balance zwischen all den Rollen, die man ausfüllen muss und will, werden eigene Werte und Ideale hinterfragt und in der Folge vielleicht auch angepasst. Nach wie vor bin ich der Überzeugung, dass es gut und erstrebenswert ist, das Leben innerhalb der Familiengrenzen selbst zu organisieren, Herausforderungen zu bewältigen, ohne ständig auf andere angewiesen sein zu müssen.

Aber auch die geschickteste Organisation hat ihre Grenzen, auch die effizienteste Zeiteinteilung vermag die 24 Stunden eines Tages nicht auf 25 Stunden zu strecken.

Dazu muss ich sagen, dass ich in dieser Hinsicht weit entfernt von irgendeiner Art des Perfektionismus bin. Krümel auf dem Küchenbodenboden ignoriere ich gekonnt. Ein Wäscheberg darf bei mir gern ein paar Tage lang in der Ecke liegen. Und im Büro türmen sich oft wochenlang Unterlagen, Rechnungen und alle möglichen Objekte, die zum Verkauf bei ebay bestimmt sind. Das stört mich nicht weiter, solange ich einen Plan habe, dem ich folgen kann und der mir das Gefühl gibt, die Dinge im Griff zu haben.

In langen, aber regelmäßigen Abständen kollabiert dieses ansonsten gut funktionierende System – meist in besonders stressigen Phasen: In der Weihnachtszeit, wenn tausend außerplanmäßige Dinge zu erledigen sind, oder im Hochsommer, wenn 80 % der Familie Geburtstag haben. Dann kommen die To Dos schneller auf die Liste, als ich sie abarbeiten kann. Ich sehe kein Land mehr, plötzlich rücken all die Ecken im Haus in den Fokus, die ich sonst so schön ausblenden kann, ich renne nur noch meinen Pflichten hinterher und drehe mich dabei im Kreis.

D. hat schon vor längerer Zeit vorgeschlagen, zur Unterstützung eine Putzfrau (oder Haushaltshilfe? Was genau ist die politisch korrekte Berufsbezeichnung?) zu engagieren. Zunächst habe ich das entrüstet abgelehnt. Eine Putzfrau??? Wie in den amerikanischen TV-Serien, in denen die Wohnungen immer wie aus dem Möbelkatalog aussehen und die genauso meilenweit von der Realität entfernt sind wie die hochbezahlten Anwälte, Ärzte und forensischen Anthropologen, denen sie gehören. Das passt doch nicht zu uns.

Aber die Idee ging mir nicht aus dem Kopf. Ich habe lange mit mir gerungen. Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass sie so ungewöhnlich auch hierzulande nicht ist. Den Ausschlag gab dann ein Besuch bei einer Freundin. Während die Kinder draußen tobten, wusch ich mir im Bad ihrer Schwägerin – selbst Mutter von drei Kindern – die Hände. „Das Bad sieht aber sauber aus.“, meinte ich später neidisch zu meiner Freundin. „Und das bei drei Kindern… Das bekomme ich nie so hin.“ Meine Freundin zuckte mit den Schultern und grinste mich verschmitzt an: „Tja, die haben aber auch eine Putzfrau.“

Am Abend des selben Tages, als wir wieder Zuhause waren, marschierte ich schnurtstracks zu D. und sagte: „So, jetzt reicht es. Ich will auch eine Putzfrau!“

Wir entschieden uns, zunächst die Komplettreinigung des Bades anzufragen sowie das Staubsaugen und Wischen der Böden, und zwar im 14-tägigen Rhythmus.

Dann stellte sich heraus, dass es gar nicht so einfach ist, eine Fachkraft zu bekommen. Es gibt zwar viele Dienstleister auf diesem Gebiert – meist Frauen, die sich damit selbstständig gemacht haben – aber die meisten von ihnen sind völlig ausgebucht. So auch die erste Putzfrau, die ich auf eine Empfehlung hin kontaktiert hatte: Sie ließ uns eine ganze Weile warten, nur um dann mangels freier Termine abzusagen.

Letzte Woche starteten wir den zweiten Anlauf. D. suchte mir jede Menge weiterer Adressen heraus. Ich rief kurzentschlossen bei der ersten Telefonnummer an, die er mir gegeben hat, und vereinbarte einen Ortstermin am kommenden Tag.

Am Freitag – ich war gerade beim Wochenendeinkauf, D. sollte die Führung durchs Haus übernehmen – erhielt ich plötzlich eine Nachricht von meinem Göttergatten: „Putzfrau putzt.“ D., der in solchen Dingen immer wesentlich unkomplizierter ist als ich, hatte die Putzfrau nach Abschluss der Tour freimütig gefragt, ob sie denn nicht gleich anfangen wolle. Sie hatte Zeit, und los ging es.

Und so kam ich halb zwei zurück in ein blitzblank geputztes Haus, ohne auch nur einen Finger dafür gerührt zu haben. Und statt dem schlechten Gewissen, das ich erwartet hatte, fühlte ich mich einfach nur erleichtert. Befreit, eine To Do weniger auf der Liste zu haben. Ich habe gewagt, über meinen Schatten zu springen, und bin rundum zufrieden damit.

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