Televisionäres Vergnügen in Serie, Teil 1

Wir haben eine große Schwäche, D. und ich: Wir mögen Fernsehserien. Ich muss vorausschicken, dass wir nicht wirklich häufig vor der Glotze sitzen. Freie Zeit ist ein seltenes Gut, insbesondere in Kombination mit dem Attribut „gemeinsam“: Abends ist D. oft unterwegs, und Haushaltspflichten lösen sich nicht in Luft auf, nur weil die Kinder gerade schlafen. Aber wenn wir sie dann doch haben, besagte gemeinsame freie Zeit, dann nutzen wir sie am liebsten vor dem Fernseher, ein kühles Bier in der Hand, ein paar Knabbereien auf dem Tisch und eine DVD unserer Wahl im Laufwerk.

Man könnte es als eine Art Spleen von uns bezeichnen: Auch wenn wir uns durchaus bewusst sind, dass wir die meisten Episoden nur ein einziges Mal schauen werden, müssen wir die DVDs besitzen. Wir wollen sie als Inventar im Regal wissen (nicht anders ergeht es mir übrigens mit Büchern). Die Serien im regulären Fernsehprogramm zu schauen ist keine Option: Zum einen wären wir damit an feste Sendezeiten gebunden. Zum anderen könnten wir immer nur eine Folge am Stück schauen. Ein wenig flexibles, völlig unpassendes Konzept für uns, insbesondere dann, wenn das Ende einzelner Folgen durch Cliffhanger und ähnliches ein sofortiges Ansehen der nächsten Folge erfordern. Streaming fällt auch aus: Das hätte verheerende Auswirkungen auf unser ohnehin sehr knapp bemessenen Datenvolumen. Im Übrigen bezweilfe ich, dass ein ruckelfreies Abspielen mit der langsamen Verbindungsgeschwindigkeit hier in der dörflichen Einöde technisch überhaupt realisierbar wäre.

Unsere Vorliebe für Fernsehabende zu zweit existiert schon lange, mindestens seitdem wir zusammen wohnen – also seit mittlerweile sechseinhalb Jahren. Dabei würde ich nicht mal behaupten, dass wir uns besonders gut in der Materie auskennen. Wenn wir mit einer Serie durch sind oder uns die Wartezeit auf das Erscheinen der nächsten Staffel zu lange dauert, begeben wir uns auf die Suche nach einer neuen. Oft stoßen wir auch durch Zufall auf eine Produktion, die uns gefällt. Dann erwerben wir Stück für Stück die Staffeln auf DVD (Amazon dürfte ziemlich zufrieden mit den von uns generierten Umsätzen sein) und sehen sie schön geordnet der Reihe nach an. Dafür bieten sich die Abende an, wenn die Tiets im Bett sind, und natürlich die Mittagszeit am Wochenende, wenn sie Mittagsschlaf machen.

Unabhängig voneinander haben D. und ich vor zwölf oder dreizehn Jahren unsere Begeisterung für die Gilmore girls entdeckt. Diese Serie ist einfach phänomenal und steht seitdem auf dem absoluten, unangefochtenen Platz 1 des Rankings meiner persönlichen Lieblingsserien. Im Mittelpunkt stehen Lorelai und Rory Gilmore, Mutter und Tochter, die gerade einmal 16 Jahre Altersunterschied trennt. Offiziell eine Familienserie, glänzt Gilmore girls mit schnellen Dialogen, intelligenten Anspielungen und einer Fülle verschiedenster, liebenswerter Charaktere, die die fiktive Kleinstadt Stars Hollow bewohnen. Nie wieder bin ich irgendeiner Fernsehproduktion begegnet, die auf so einzigartige Weise Humor, Intelligenz und Warmherzigkeit in sich vereint. Wohlfühlfernsehen ganz ohne Weichspülfaktor: Die Serie erzeugt eine vertraute Welt, eine geerdete, sichere Umgebung, in der Freundschaft und Familie eine zentrale Rolle spielen, in der alle Generationen mit den Herausforderungen des Lebens umgehen müssen, in der die ganz realen Problemen des Alltags nicht beschönigt werden, die durchdrungen ist von Optimismus und Lebenslust. Nur allzu oft kann ich mich als Zuschauer tatsächlich mit den Personen, Situation und Gefühlen, die sie durchleben, identifizieren – das hat Seltenheitswert. Zuerst habe ich alle 7 Staffeln mit D. auf Deutsch gesehen, danach in Schwangerschaft und Elternzeit noch zweimal allein auf Englisch, außerdem mit meinen Eltern – ganz stilecht zum wöchentlichen Thursday Night Dinner – jeweils einmal auf Deutsch und auf Englisch. (Leider geht der Wortwitz  in der deutschen Synchronisierung häufig verloren, weshalb ich die Originalsprache bevorzuge.)

Anschließend widmeten D. und ich uns Dr. House. Mit den klassischen Arztserien hat diese Variante so gar nichts gemein: Schlecht gelaunt, vicodinabhängig, selbstzerstörerisch und genial hat Gregory House weder vor Kollegen noch vor Patienten irgendeine Form von Respekt. Mit seinem Team, das er nach Herzenslust schikaniert und manipuliert, und mithilfe zweifelhafter und nicht selten illegaler Untersuchungsmethoden begibt er sich auf die Suche nach der richtigen Diagnose in besonders rätselhaften und schwierigen Fällen. Die Rolle des einzigen Freundes und Vertrauten von Dr. House nimmt der Onkologe Dr. Wilson ein, und es ist längst nicht nur der Name, der bei diesem Gespann an Sherlock Holmes und Dr. Watson erinnert.

Als nächstes tauchten wir in die Welt der Anwälte von Boston Legal ein. In der angesehenen Bostoner Kanzlei Crane, Poole & Schmidt kämpfen die Anwälte Alan Shore (überraschend interessant: James Spader) und Danny Crane (Captain Kirk-Darsteller William Shatner) für ein in der Regel horrendes Honorar um die Sache ihrer Mandanten. Dabei vertreten sie bei weitem nicht immer sympathische Personen oder solche, die moralisch auf der „richtigen“ Seite stehen. Der Blick, den Boston Legal auf das amerikanische Zivil- und Strafrecht wirft, ist kontrovers, zynisch und überaus spannend. Die bereits nach der ersten Staffel einsetzende große Fluktuation bei der Besetzung minderte den Unterhaltungswert leider beträchtlich. Auch wurden die Fälle in den letzten Staffeln immer abstruser und konstruierter, die Charaktere legten ein zunehmend irritierendes Verhalten an den Tag. So ist die Serie eine der wenigen, von der wir bis heute nicht alle Episoden gesehen haben.

Während meines Auslandsaufenthalts in England stieß ich beim Zappen im Fernsehen zufällig auf Friends. Ich stellte fest, dass die Sitcom – mit der ich bisher nie wirklich warm geworden war – in der Originalsprache unglaublich witzig war. Wieder Zuhause, besorgte ich mir die Fanbox mit allen zehn Staffeln. Zweimal habe ich sie im Laufe der Zeit bereits durchgeschaut, zurzeit bin ich in der dritten Runde. Und immer noch geschieht es regelmäßig, dass ich laut vorm Fernseher zu lachen anfange, wenn Monica und Chandler, Phoebe und Joey, Rachel und Ross die Höhen und Tiefen ihres Weges von Mitt-Zwanzigern zu Mitt-Dreißigern gemeinsam durchleben. Hier ist vor allem der mit einem unglaublichen komödiantischen Talent gesegnete Matthew Perry einfach herausragend.

Mit Monk folgte eine Krimiserie. In zur Abwechslung recht ruhigem und fast altmodisch anmutenden Rahmen genossen wir es, dem schrulligen, traumatisierten ehemaligen Kriminalbeamten Mr. Monk dabei zuzusehen, wie er dem Morddezernat in San Francisco bei der Klärung der verzwicktesten Fälle hilft. Neben seinem unbestechlichem Spürsinn steht ihm dabei auch seine persönliche Assistentin Sharona Fleming – später Natalie Teeger – zur Seite, die sich die größte Mühe gibt, ein bisschen Normalität in Mr. Monks von Phobien geprägten Alltag zu bringen.

Wenn ich mir die Liste so ansehe, war zu diesem Zeitpunkt bereits ganz schön was zusammengekommen – und es war noch lange nicht Schluss. Morgen geht es weiter mit Teil 2.

Advertisements

2 Kommentare zu „Televisionäres Vergnügen in Serie, Teil 1“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s