Televisionäres Vergnügen in Serie, Teil 2

Gestern habe ich begonnen mit meiner Aufzählung, welche Fernsehserien in den letzten Jahren so über unseren Bildschirm flimmerten. Heute folgt nun Teil 2:

Als nächstes war Bones dran. Die ersten Folgen hatte ich in meiner Studienzeit mit meiner besten Freundin zusammen gesehen und sofort Gefallen daran gefunden. Es ist nicht die erste Serie, die von dem Gegensatz ihrer zwei starken Protagonisten lebt: Der kühlen, durch und durch rationalen forensischen Anthropologin Dr. Temperance Brennan auf der einen Seite, dem humorvollen, spontanen, sich meist auf sein Bauchgefühl verlassenden FBI-Agent Seeley Booth auf der anderen. Das Zusammenspiel der beiden Partner, die in erster Linie mit Ermittlungen an Knochenfunden beschäftigt sind, und ihres Teams aus mehr oder weniger durchgeknallten Wissenschaftlern fasziniert nicht nur uns: Kommerziell ziemlich erfolgreich wird im deutschen Fernsehen momentan die bereits 11. Staffel ausgestrahlt.

In seiner Elternzeit mit Nele – wir hatten damals nur ein Kind und noch kein Haus, dementsprechend viel Zeit zum Fernsehen – entdeckte D. Castle für sich. Nach einigen Folgen konnte auch ich mich dem Charme des großspurigen, aber sympathischen Autors Richard Castle nicht mehr entziehen, der der Mordkommission des NYPD zur Seite gestellt wird und mit seinen wilden Theorien besonders seine Vorgesetzte Kate Beckett (toll gespielt von Stana Katic – wie kann jemand so unglaublich gut aussehen?) in den Wahnsinn treibt.

Wir blieben dem Genre treu mit The Mentalist. Die erste Staffel kreuzte irgendwann mal meinen Weg beim Wochenendeinkauf, und ich nahm sie wegen des günstigen Preises auf Verdacht mit. Schon in der ersten Folge hatte uns der charmante Trickbetrüger Patrick Jane eingewickelt: Auf ganz unkonventionelle, höchst amüsante Art hilft er der Ermittlerin Teresa Lisbon und ihrem Team vom California Bureau of Investigation beim Lösen ihrer Mordfälle. Ganz nebenbei ist der Mentalist seinem eigenen, dunklen Geheimnis auf der Spur, das sich wie ein roter Faden durch die Episoden zieht und der Serie streckenweise eine ungewöhnlich düstere Atmosphäre verleiht.

Weiter ging es mit der BBC-Serie Sherlock: Das originelle Konzept versetzt den berühmten Detektiv und seinen treuen Freund Dr. Watson in das London des 21. Jahrhunderts. Das hat den Vorteil, dass Sherlock Holmes bei seinen Ermittlungen auf moderne Hilfsmittel wie Smartphones und GPS-Ortung zurückgreifen kann und erlaubt Dr. Watson, einfach mal seinen eigenen Blog zu schreiben… Allerdings müssen die beiden sich nun auch mit den Gefahren der Neuzeit herumschlagen: Terroranschläge, Biowaffen und so weiter. Spannend, originell und um einiges tempo- und actionreicher als die Romanvorlage .

Mit Agatha Christie’s Miss Marple wartete schon längere Zeit eine weitere Serie vom BBC auf uns. Vor einigen Jahren hatte ich die Reihe mit allen 12 Filmen, in denen Joan Hickson Miss Marple spielt, geschenkt bekommen. Lange stand sie im Regal. Irgendwann – vermutlich in Ermangelung einer Alternative – haben wir sie wiederentdeckt. Von der schönen, eingängigen Titelmelodie werden wir in kleine englische Dörfer aus der Mitte des 20. Jahrhunderts entführt, als die Welt noch in Ordnung war, Morde ganz bescheiden von älteren Damen verübt wurden und bei den Leichen prinzipiell kein Blut zu sehen war. Eine angenehme Abwechslung zu den vielen anderen, actiongeladenen Serien, die – wenn man sich darauf einlässt – wirklich vergnüglich sein kann.

Eine unserer letzten Entdeckungen war mit Suits mal wieder eine Anwaltsserie, in der der abgebrühte, aber unendlich coole Anwalt Harvey Specter (genial besetzt mit Gabriel Macht) den Studienabbrecher Mike Ross unter seine Fittiche nimmt, der sich fortan – ohne Abschluss, aber hochintelligent und mit einem fotografischen Gedächtnis gesegnet – als Anwalt ausgibt. Zusammen mischt das charismatische Team die New Yorker Juristenwelt gründlich auf, allerdings ständig mit der Gefahr lebend, aufzufliegen.

Als Nachfolger für Gilmore girls haben meine Eltern und ich  Downtown Abbey auserkoren. Es hat einige Folgen gedauert, bis wir so richtig gefesselt waren von der Geschichte, die im England der 1910er und 1920er Jahre spielt. Inzwischen können wir es kaum erwarten, bis die Woche herum ist und wir die nächste Episode sehen können, die sich um die Geschicke des englischen Adelsgeschlechts der Crawleys und ihrer Bediensteten dreht.

Dann war mit den gemeinsamen Fernsehabenden für D. und mich erst mal eine ganze Weile Ruhe. Unsere mittlerweile drei Tiets, das Haus, der Garten und mein Blog beanspruchten unsere Zeit zur Gänze. Mit dem Herbst neigte sich die Gartensaison dem Ende zu, unser Jüngster begann überraschendweise damit, durchzuschlafen und wir fanden uns plötzlich mit der ein oder anderen unverplanten Stunde am Abend wieder. Wir wagten einen Blick ins DVD-Regal und stellten fest: Neues Material muss her. Also recherchierten wir ein bisschen im Internet und fragten Kollegen und Freunde nach Empfehlungen.

Schließlich entschieden wir uns für Person of Interest – und sind begeistert. Das Konzept ist faszinierend: Im Kampf gegen den Terrorismus nutzt die amerikanische Regierung eine Maschine, die die Bevölkerung mittels Zugriff auf sämtliche Kameras des Landes und jegliche Kommunikationsmedien lückenlos überwacht. Allerdings werden nicht nur Bedrohungen für große Menschenmengen erkannt, sondern auch solche für einzelnde Individuen, enstanden aus der Planung von Tötungsdelikten. Die vom Algorithmus der Maschine als „irrelevant“ eingestuften Informationen versucht Harold Finch, der Erfinder der Maschine (überzeugend als introvertierter, menschenscheuer Computer-Nerd: Michael Emerson), zu nutzen, um diese vorsätzlichen Morde zu verhindern. Dazu holt er sich Unterstützung von John Reese, Ex-Agent der CIA und des FBI. Die Serie erschafft eine beängstigende, aber sehr reale Atmosphäre von Überwachung, Bedrohung und Furcht und scheint damit näher an der Realität als am Science Fiction-Genre, wo sie eigentlich angesiedelt ist. Das Ganze ist sehr amerikanisch und für meinen Geschmack ein bisschen zu action- und waffenlastig. Und doch ist es die spannendste Serie, die uns je untergekommen ist: Wir können gar nicht mehr aufhören damit. Staffel 1 hatten wir in Rekordzeit durch, momentan fräsen wir uns durch Nummer 2. Und so sieht es dann aus, wenn Mama und Papa mitten in der Woche alle Vernunft in den Wind schlagen und mit voller Absicht die innere Stimme überhören, die mahnend an den auf 5.30 Uhr gestellten Wecker und das zu erwartende nächtliche Kindergeschrei erinnert:

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