Rückblick: Mein Bauch und ich

Beim Aufräumen meines PCs bin ich gerade auf den folgenden Eintrag gestoßen, den ich im Mai 2013, während meiner zweiten Schwangerschaft, geschrieben hatte. Zu der Zeit hatte ich noch keinen eigenen Blog, schien aber bereits damals schon mal für so einen Fall üben zu wollen. Damit meine Gedanken zum Bauchwachstum in Schwangerschaft Nummer 2 nicht länger in der virtuellen Schublade verstauben, teile ich sie nun mit euch – etwas verspätet, aber was soll’s 🙂 :

Manchmal kann ich die Welt einfach nicht verstehen. Wenn ich mitten im Winter Erdbeeren im Supermarkt sehe. Wenn mir der (zugegeben inzwischen selten gewordene) Anblick eines Fiat Multipla auf offener Straße beweist, dass dieses Meisterstück automobiler Designkunst tatsächlich Käufer gefunden hat. Und neuerdings auch, wenn meine Mitmenschen die Größe meines Bauches kommentieren.

In meiner ersten Schwangerschaft bekam ich ständig zu hören: „Oh, dein Bauch ist ja echt klein.“ Egal, wo ich mich befand, immer begegneten mir dieselben Zweifel an meinem Bauchumfang und der Richtigkeit der Tatsache, in selbigem wüchse tatsächlich ein Geschöpf heran, das bis zur Geburt noch Größe und Gewicht eines europäischen Durchschnitts-Babys erreichen würde. Meine Frauenärztin untermalte diese Einschätzung in Verbindung mit dem Ultraschall sogar mehrfach mit Kommentaren wie „Hmm, Ihr Kind scheint mir tatsächlich sehr klein“. Und, als dieser Satz die erwünschte Wirkung nicht erzielte: „Ich würde Sie gern zur Feindiagnostik schicken. Nur um sicherzugehen. Die Werte sehen wirklich klein aus“. Noch drei Tage vor der Entbindung kommentierte der freundliche Fahrer des ADAC-Abschleppdienstes meinen Zustand selbstgefällig mit: „Ach, wissen Sie, ich habe schon Frauen hier mitgenommen, die wesentlich weiter in ihrer Schwangerschaft fortgeschritten waren als Sie.“ Wesentlich weiter als SSW 40??? Aaargh.

Jetzt stellt sich die Situation gänzlich anders dar: Ja, mein Bauch fing sehr viel schneller an zu wachsen als das letzte Mal. Ja, mein Bauch ist auch jetzt tendenziell jede Woche etwas größer als in der gleichen SSW der letzten Schwangerschaft. Aber es will mir einfach nicht in den Kopf, dass diese kleine Veränderung wirklich so gravierende Folgen auf mein Aussehen hat. Dass Kollegen, Verwandten und Bekannten fast die Augen aus dem Kopf fallen und die Kommentare irritierenderweise nun die genau gegenteilige Richtung eingeschlagen haben: „Dein Bauch ist ja echt riesig“, oder: „Waaas, noch bis zum Juli hast du?“ oder – mein persönlicher Favorit – „Sicher, dass da keine Zwillinge drin sind?“ Letzteren Spruch habe ich, in diversen Abwandlungen, tatsächlich bereits von mindestens drei verschiedenen Personen gehört.

Das ganze Gerede hat mich so verrückt gemacht, dass ich in den Untiefen meines PC-Bilder-Archivs das Bauchfoto herausgesucht habe, was meiner jetzigen Schwangerschaftswoche am nächsten kommt, mich trotz der Kälte im Zimmer in denselben Bikini, den ich damals im August trug, gequält habe, und mich schließlich im Spiegel in der exakt gleichen Position fotografiert habe. Dann habe ich mich an den PC gesetzt und extra ein entsprechendes Bildbearbeitungsprogramm heruntergeladen. In diesem habe ich mich anschließend mit einem entgegen der Beschreibung absolut nicht intuitiv zu bedienendem „Lassowerkzeug“ auseinandersetzen müssen, mit dessen Hilfe ich irgendwann in der Lage gewesen bin, akribisch die Konturen meines Körpers nachzufahren, um den störenden Hintergrund beider Bilder auszublenden – wer will schon etwaige Verzerrungen der Neutralität durch unterschiedliche Bettwäsche riskieren. Und voilà: Entstanden ist eine künstlerisch zweifelhafte Gegenüberstellung zweier Körper, leicht verstörend, da jeweils kopf- und fußlos, aber ansonsten ziemlich identisch. Das Resultat fällt, wie zu erwarten war, wenig spektakulär aus: Der Körper ist der Gleiche geblieben, die Bauchgröße auch, nur ist dessen Form etwas spitzer und liegt er etwas tiefer als das letzte Mal.

Und was lernen wir daraus? Die Attribute „groß“ oder „klein“ sind offensichtlich sehr dehnbare Begriffe, vor allem, wenn sie auf einen Babybauch bezogen sind …

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