Ein langes Wochenende im Bayerischen Wald

Ende Februar hat Lucas, der Cousin der Tiets, Geburtstag. Da er mit seiner Familie in München wohnt, reisen wir jedes Jahr um diese Zeit in die bayrische Metropole, um seinen Geburtstag zu feiern. Diesmal haben wir der Großstadt allerdings zugunsten eines verlängerten Wochenendes im Bayerischen Wald den Rücken gekehrt.

Los ging es am Donnerstag früh. Um nicht mit zwei Autos fahren zu müssen, hatten wir einen Transporter gemietet. Entsprechend schnell waren diverse Kinderfahrzeuge, Koffer und Proviant im Auto verstaut, waren Tiets, Eltern und Oma eingesammelt und angeschnallt. Nach etwa dreieinhalb Stunden Fahrtzeit und mit nur einer kurzen Pause erreichten wir am späten Mittag unser Ziel: eine große Blockhütte in einem Dörfchen, das schätzungsweise 50 Einwohner zählt. Die rustikale Holzoptik entsprach zwar nicht unbedingt unserem Geschmack, strahlte aber eine angenehme, robuste Gemütlichkeit aus. Die Hütte verfügte über eine riesige Wohnküche, zwei Schlafzimmer mit insgesamt 10 Schlafplätzen, ein Bad mit Waschbecken und Dusche in jeweils doppelter Ausführung und eine separate Toilette. Über die Wohnküche gelangte man auf eine großzügige Terrasse. Einen Fernseher suchte man vergeblich, und darüber hinaus hatte fast keines der Handys Empfang  – alles war also wie gemacht für vier ungestörte Tage mit den Kindern.

Nach einem ausgiebigen Nudel-Essen und dem obligatorischen Mittagsschlaf für Phil erkundeten wir den Ort zu Fuß. Viel zu sehen gab es nicht, da 50 Einwohner eben auch nur begrenzte Anforderungen an die Infrastruktur stellen. Immerhin fanden wir einen Bauernhof, einen Ski-Hang und ein überdimensionales Indianerzelt. Wieder zurück in der Hütte bekam das Geburtstagskind dann auch endlich seine Geschenke.

Am Freitag Vormittag unternahmen D. und ich mit Phil einen weiteren kleinen Spaziergang. Es war ein seltsames Gefühl, mit nur einem Kind unterwegs zu sein. Vier Augen, Ohren und Hände und nur ein besetzter Buggy vor uns – wir fühlten uns fast ein bisschen unterausgelastet 😉 Später ging es mit allen vier Kindern zur Spielscheune auf das Nachbargrundstück, wo sie sich auf Trampolin und Co. so richtig austoben konnten.

Nachmittags fuhren wir zu einem Spielplatz ganz in der Nähe. Obwohl Sommerrodelbahn und Achterbahn saisonbedingt noch geschlossen waren, war er mit drei großen Rutschen, Kletterwänden, Schaukeln und vielen anderen Geräten mehr als üppig ausgestattet. Abschließend traten die Kinder auf zwei Fahrrädern, einem Laufrad und einem Bobbycar zum Wettrennen auf dem fast leeren Parkplatz an. Dass Phil mit seinem knallroten Gefährt zurückblieb, störte ihn wenig – ihm reichte es schon völlig, Mama mitsamt ihren Versuchen, ihn zu fotografieren, davonzurasen.

Der Samstag begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen. Als Ausflugsziel hatten wir heute den Waldwipfelweg auserkoren, einem Naturerlebnispfad, der mit dem Auto in wenigen Minuten zu erreichen war. Den ersten Teil legten wir auf einer Holz- und Betonkonstruktion in bis zu 30 Metern Höhe zurück, von wo aus sich uns eine tolle Aussicht auf die Landschaft vor und die Bäume unter uns bot. Danach ging es in den Wald hinein. Der Weg war abwechslungs- und lehrreich gestaltet, vor allem für Kinder: Per Knopfdruck ertönten die Geräusche verschiedener einheimischer Vögel, Wissenstafeln vermittelten interessante Fakten zu Waldtieren, es gab Fellarten zum Anfassen, Felsbrocken, deren Gewicht erraten werden musste und und und…

Es folgte der Pfad der optischen Phänomene, auf dem es unzählige optische Täuschungen zu entdecken gab. Schließlich rundeten Alpakas, Lamas und Wallabys das Erlebnis Natur ab und sorgten vor allem bei Phil für Entzücken, den im Alltag schon jede einzelne Amsel im Garten in helle Aufregung versetzt.

Am Ende erwartete uns das Haus am Kopf: Ein Haus, das mitsamt der kompletten Einrichtung auf dem Kopf stand. Das Ganze war eine abenteuerliche Erfahrung, die leider noch einmal extra bezahlt werden musste. Uns Erwachsenen wurde beim Betreten des Hauses ziemlich flau im Magen – offenbar kann das Gehirn die Tatsache, dass man auf geradem Boden steht, nicht so recht verarbeiten in Verbindung mit den visuellen Eindrücken, die ihm genau das Gegenteil melden. Nicht wenige Besucher verließen das Haus daher wieder, so schnell sie konnten. Die Kinder hatten interessanterweise keinerlei Probleme mit ihrem Gleichgewichtssinn und rannten vergnügt durch die verschiedenen Räume.

Am Nachmittag besuchten wir die Family World, einen riesigen Indoor-Spielplatz. Der Eintritt war ziemlich teuer, allerdings wurde auf 1.300 m² Fläche auch einiges geboten: Lucas und Nele stürmten die drei Etagen des riesigen Kletterturms hoch und runter, Lena war nicht mehr vom Trampolin herunterzubekommen und Phil juchzte vor Freude, wenn er mit Papa die riesige Wellenrutsche hinabsauste. Während wir uns an den Rand setzten und dem fröhlichen Treiben zuschauten, konnten wir förmlich sehen, wie sich der Zuckerschock vom Nachmittagskuchen entlud.

Tja, und wie immer viel zu zeitig war der letzte Tag da. Koffer packen, aufräumen, ein letzter Besuch in der Spielscheune, Mittagessen – die Zeit war in Windeseile vorüber. Wir verabschiedeten uns von den Münchnern und machten uns auf den Weg Richtung Heimat, den wir trotz des bayerischen Rückreiseverkehrs zügig und ohne Störungen zurücklegten. Es war ein schöner Ausflug, der auch D. und mir als notorischen Urlaubsmuffeln sehr gefallen hat. Vor allem aber die Kinder haben es genossen, im Mittelpunkt zu stehen und die Zeit der Erwachsenen mal ganz für sich allein einfordern zu dürfen. Ab und zu darf und soll das so sein.

Bei der Gelegenheit haben wir uns übrigens verliebt. Und zwar in die Idee eines Transportes als neues Familienfahrzeug. Nicht nur das schiere Platzangebot war ungewohnt und beeindruckend, auch der Fahrkomfort hat sich erstaunlicherweise nicht wesentlich von dem eines PKW unterschieden. Die Tiets hatten genügend Platz für sich und ihre Spielsachen, es gab nicht permanent Streitereien à la „Mamaaaaa! Die Nele drängelt mich!“ und die Akustik tat ihr Übriges, um Fahrer- und Beifahrersitz von Kinderlärm abzuschirmen. Durch die 9 Sitzplätze war es möglich, alle Unternehmungen mit einem Auto bestreiten. Die Schiebetür sorgte dabei für geordnetes Aus- und Einsteigen, wir mussten uns an keiner Stelle Gedanken machen, ob und wie Bobbycar, Fahrrad und Co. hineinpassen könnten. So verlief auch die sonst nervenzehrende An- und Abreise so entspannt wie selten zuvor.

Bis jetzt befördern unser treuer VW Lupo und ein Peugeot 407 die verschiedenen Familienmitglieder. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja bald…

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