Eingeimpft (Teil 2)

Hier folgt nun die Fortsetzung meines gestrigen Eintrags.

Unser persönlicher Umgang mit dem Impfen

Bevor ich vor sechs Jahren das erste Mal die Aufklärungsbroschüre zum Impfen von meiner Kinderärztin in die Hand gedrückt bekam, war meine Haltung dazu ziemlich entspannt. Ich weiß gar nicht, was ihr alle habt. Klar impfe ich. Wurde doch früher auch so gemacht. Die Wirkung ist enorm, die Nebenwirkungen sind begrenzt, das Risiko für Schäden klein. Das war in etwa das, was mir mein gesunder Menschenverstand gesagt hat, ohne, dass ich mich weiterführend mit dem Thema auseinandergesetzt hätte.

Das erste Mal habe ich aufgehorcht, als mich meine Mutti auf das Thema ansprach. Sie hatte gerade den Vortrag einer renommierten Heilpädagogin besucht, welche darauf hingewiesen hatte, dass die Kombinationsimpfungen – insbesondere die 6-fach-Impfung gegen Diphtherie, Kinderlähmung, Keuchhusten, Tetanus, Hepatitis B und invasiven Hib-Infektionen – Gefahren berge, vor allem, wenn sie dem Baby zu einem sehr frühen Zeitpunkt verabreicht würde. Die STIKO sieht den 2. Lebensmonat dafür vor – und das ist unbestritten sehr früh im Leben eines Kindes. Hier tat sich also nicht die Frage nach dem Impfen an sich auf, sondern die nach der Form der Verabreichung. Die Argumentation war für mich schlüssig, und D. und ich entschieden, Nele die Impfungen einzeln geben zu lassen. Zu meiner Überraschung wurde mir beim Kinderarzt mitgeteilt, dass – obwohl es durchaus Einzelpräparate auf dem Markt gab – die von mir gewünschte Aufteilung durch Lieferengpässe nicht realisierbar war. Der einzig mögliche Kompromiss, den man mir anbieten konnte, war die Aufteilung in eine 5-fach-Impfung sowie eine separate Impfung gegen Hepatitis B. Auch wenn ich damit nicht ganz glücklich war, nahm ich ihn an. Im Übrigen hielten wir uns an den Impfplan der STIKO.

Der Anstoß, mich wirklich intensiv mit dem Impfen auseinanderzusetzen, kam eher zufällig. Eine Freundin lieh mir die DVD „Wir impfen nicht“ (von Michael Leitner, mittlerweile auch auf Youtube abzurufen) aus. Damals war Lena gerade geboren, Nele knapp über zwei Jahre alt. D. und ich haben die Dokumentation zusammen angeschaut. Um es kurz zu fassen: Der Inhalt hat uns schockiert und unser Weltbild noch einmal gehörig durcheinandergebracht. Neben dem Eindruck, dass gewisse Sachverhalte im Film tatsächlich überzogen dargestellt wurden, haben uns die angeführten Fakten allerdings auf ganzer Linie überzeugt. Ich habe daraufhin begonnen, gezielt zu diesen Fakten zu recherchieren – und bin auf keine wissenschaftlich fundierten Aussagen gestoßen, die für mich die im Film gezeigten Argumente eindeutig widerlegen könnten. D. und ich diskutierten lange, wie wir weiter vorgehen wollten. Wir entschieden uns dafür, bei Lena einen reduzierten Impfplan umzusetzen.

So verging die Zeit. Mit jedem Monat, der verstrich, verblasste der Eindruck des Films und meiner Recherchen. Phil kam auf die Welt, und auch für ihn sahen wir zunächst, ebenso wie bei Lena, einige ausgewählte Impfungen vor. Dann entwickelte Lena, kurz nach ihrer vierten 5-fach-Impfung, eine Weizen-Unverträglichkeit (die wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht als solche erkannten). Das kann natürlich Zufall sein, weiß ich. Nichtsdestotrotz waren wir erneut aufgeschreckt. Ich nahm mir vor, die Dokumentation, die D. und mich knapp ein Jahr zuvor so beunruhigt hatte, noch einmal anzuschauen – um herauszufinden, ob und wie sehr sich mein Eindruck durch den zeitlichen Abstand geändert hätte. Wieder recherchierte ich stundenlang im Internet, las in Foren und Gesundheitsportalen, stöberte auf den Seiten der Kritiker und Gegner, suchte nach Statistiken und nach wissenschaftlichen Original-Publikationen. Das Ergebnis fiel ähnlich aus, überzeugte uns nur diesmal nachhaltiger. Wir beschlossen, dass für Phil, der gerade seine zweite 3-fach-Impfung erhalten hatte (diesmal war der 3-fach-Impfstoff beim Kinderarzt verfügbar gewesen), diese auf längere Zeit die letzte Impfung bleiben würde.

Ich weiß nicht, ob diese Entscheidung endgültig bleiben wird, und ganz sicher werde ich auch in der Zukunft noch viel über den Sachverhalt lesen und diskutieren. Für den Moment aber steht unser Votum fest, und sowohl D. sind überzeugt, dass es das richtige ist.

Das Fazit

Im Rückblick haben wir uns bei jedem weiteren Kind, das unsere Familie bereichert hat, für weniger Impfungen entschieden. Bekämen wir ein viertes Kind – was nahezu ausgeschlossen ist, bitte keine Schnappatmung bekommen, Papa 😉 – würden wir ihm möglicherweise keine einzige Impfung mehr verabreichen lassen. Das ist unsere persönliche Meinung. Sie basiert nicht auf einer Kurzschlussreaktion, auf falschem Trotz oder übertriebenem Öko-Denken. Sie resultiert aus einer jahrelangen, schwierigen, teils frustrierenden Entscheidungsfindung, die wir immer wieder diskutiert und uns selbst nicht leicht gemacht haben.

Ich erwarte von meinen Mitmenschen – denen , die es betrifft, insbesondere aber denen, die mit Vorwürfen schnell bei der Hand sind – ebenfalls eine Auseinandersetzung mit dem Thema, und zwar eine, die über die 60 Sekunden Belehrung des Kinderarztes hinausgeht. Wer mit Vorwürfen diskutiert, sollte diese gut begründen können. Zu einer fundierten Meinung gehört die Auseinandersetzung mit den Argumenten aller Parteien. Ich kann für mich behaupten, die Erklärungen sowohl der Pro- als auch der Contra-Seite gehört zu haben. Wir in unserer verantwortungsvollen Position als Eltern haben nach sorgfältiger Abwägung entschieden, dass Letztere in unseren Augen gewichtiger sind.

Ich wünsche mir, dass diese Entscheidung respektiert wird. Ich versuche nicht krampfhaft, meinen Individualismus auszuleben, und renne nicht blind Verschwörungstheorien hinterher. Ebenso wenig sollen meine Kinder Opfer einer Suche nach Sündenböcken werden. Ich möchte nicht als verantwortungslos bezeichnet werden und schon gar nicht als jemand, der Schuld an Krankheit und Tod anderer Menschen trägt. Das ist nicht nur anmaßend und beleidigend, sondern auch zutiefst verletzend.

Ich habe kein Problem damit, einen Irrtum zuzugeben. Ich würde es sicher nicht gern tun – wer macht das schon – aber ich würde es tun. Wenn es also einen stichhaltigen Beweis dafür gibt, dass dieser ungeheuerliche Vorwurf berechtigt ist, wäre ich die erste, die ihre Meinung revidiert. Bis jetzt ist mir allerdings noch niemand untergekommen, glaubhaft hätte belegen können, dass meine Handlungsweise (oder die anderer Eltern, die ihre Kinder nicht oder dosiert impfen) fahrlässig Schäden an Kindern in Kauf nimmt, denen sie ohne meine Entscheidung nicht ausgesetzt wären.

Ich wünsche mir Sachlichkeit und Objektivität – von jedem, der sich an einer derart sensiblen Debatte beteiligt.

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1 Kommentar zu „Eingeimpft (Teil 2)“

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